Archiv der Kategorie: Zeitgedanken

Zu kurz gedacht?

Es war mehr am Rande der immer noch aktuellen Ereignisse zu hören: die Institutionen für ältere Menschen, also die Alters- und Pflegeheime hätten zur Zeit viele freie Betten. In einer Radiosendung äusserte ein Vertreter eines Heimverbandes die Vermutung, dass die Menschen zur Zeit nicht in ein Heim eintreten möchten, weil sie Angst hätten, sich mit dem C-Virus anzustecken.

Es mag sein, dass den Einen oder die Andere eine solche Angst plagt. Ich vermute aber, dass die Menschen – potentielle Heimbewohner*innen und Angehörige – ganz andere Gründe haben, einen Eintritt möglichst weit hinauszuschieben. Denn während den langen Monaten, in denen Heimbewohner*innen separiert, isoliert und bevormundet wurden, hat sich auf eine ganz unschöne Weise gezeigt, wie unwohnlich viele so genannte Heime sind. Gab es bereits vor C eine Diskrepanz zwischen den tollen Internetauftritten und der Realität im Heimalltag, entblösste die Art und Weise des Umgangs während des Lockdowns, wieviel Freiheit erwachsenen, zahlenden Bewohner*innen blieb. Nämlich sehr oft keine. Mein Berufsweg und meine Rolle als Angehörige haben mir ermöglicht, in die Eingeweide einiger Institutionen zu schauen. Es liegt mir fern, einen Rundumschlag zu inzensieren, doch Illusionen mach ich mir (und anderen) gar keine. Ich habe im Umfeld mehrfach miterleben können/müssen, wie rasch sich der Zustand von Menschen nach einem Eintritt in eine Institution zum Unguten verändert hat.

Dreimal täglich essen (nein, wir reden jetzt nicht über viel zu viel Weissmehl, Zucker und Fleisch) und sauber in sauberen Kleidern zu sein ist nicht alles. Gar nicht. Menschen die in einem Heim leben (müssen), brauchen Ansprache, Zuwendung, Körperkontakt, Begegnungen. Wegen *C * alles weitgehend gestrichen. Aktivierungen, Turnen, Singen meistens gestrichen. In einer Institution sagte mir eine Stationsleiterin, während des Lockdowns hätten alle Bewohner*innen ihrer Station alle Psychopharma-Reserven gebraucht. Es dauerte oft endlos, bis minimalste Begegnungen (natürlich und richtigerweise mit Schutzkonzepten) möglich waren. Es gab Ausnahmen, im Tessin wurde rasch eine Art „Glaszimmer“ geschaffen, einzelne Heimleitungen mit Grips und Herz fanden adäquate Möglichkeiten zur Begegnung, während andere Monate brauchten, um telefonieren via Laptop einzurichten.

Bei der Frage ob Eintritt oder nicht wird gerne argumentiert, im Alters- und Pflegeheim sei *man* sei dann nicht mehr so alleine. Stimmt meistens nicht. Wer selbst Kontakt aufnehmen kann zu anderen, findet diesen vielleicht. Alle anderen und das ist die Mehrzahl, sitzt verloren und wartend da. Traurige Realität. Da ziehe ich persönlich technische/elektronische Hilfsmittel der mürrischen Anwesenheit ausgelaugter Pflegepersonen vor…

Ja, es ist mir bewusst, dass *kein Heim* ganz andere Fragestellungen aufwirft. Wer betreut? Wer bezahlt diese Betreuung? Wer leistet sie? Bisher ist es meistens so, dass auch diese Care-Arbeit von Frauen geleistet wird, fast immer ohne Lohn. Von den Frauen, die bald länger arbeiten dürfen und nach dem Willen einiger Bernköpfe im besten Falle auch noch ins Militär gehen sollten. Ok. Natürlich wollen wir Gleichberechtigung. Nur muss dann auch die Care-Arbeit gerecht verteilt werden und frau darf nicht doppelt bestraft werden: zum ersten, in dem man ihr unbezahlte Arbeit überlässt und zum zweiten durch die zwangsläufig folgenden Ausfälle bei der Altersversorgung. Eine gerechte Lösung monetär zu regeln, wird herausfordernd. Es braucht andere Modelle. Vielleicht endet ja die äusserst unheilvolle Wachstumsmanie und ermöglicht ein ganz anderes Wachstum… Hoffen ist (noch) nicht verboten.




Zurückgeschaut 5


GEWESEN: Im fast unbekannten Wallis bei fast durchwegs sonnigem Wetter. Unter anderem zusammen mit den Jungs auf freie Sicht zum Matterhorn gewartet, 65 Prozent-Erfolg:-).
GEFREUT: über die vielen Insekten z.B. am Dost. Als ich dieses Summen vor Jahren zum erstenmal hörte, glaubte ich, ein Bienenschwarm sei gelandet. Schwalbenschwanz, Kaisermantel und Bläuling waren grad auch vor Ort. Die Kamera nicht.
Neuartige Freuden entstehen durch den Welpen der Tochterfamilie.
Seit diesem Jahr sind wir im „Zucchettischwemme-Forum“ zugelassen. Wir können mitreden. Es geht soweit, dass ich heute rohe Zucchettispaghetti produzierte. Kann frau essen.
Vorfreude auf den Stickkurs. Diese Technik hat mich in der Abschiedszeit einer nahen Person auf eine besondere Art getröstet. Ruhig, fast meditativ verbinden sich Grundlage, Faden, Gedanke, meine Hand erschafft eine Oberfläche, überzieht Stoff oder Papier. Die Farben und Strukturen der Garne haben eine hohe Sinnlichkeit, sie laden ein zur sanften Berührung, schaffen Wege zwischen zwei Punkten, legen sich schief, werden aufgelöst, neu verortet wie eine Erinnerung, ich sehe den Sonntagstisch mit der gestickten Decke, weiss erst jetzt, wieviel Zeit in den rankenden Blumen festgehalten ist wo doch unsere so gestundet ist. Einen Trägerstoff und Fäden verbinden, keinem unmittelbaren Zwecke dienend, aus Freude oder weil die Fäden auch eine schwer beschreibbare Sehnsucht stillen, vielleicht etwas Ruhe geben in der überhitzten, fragmentierten und zunehmend beängstigenden Welt.
GEÄRGERT: Die SBB zieht zig fast leere 1. Klass-Wagen durchs Land, während frau die Fahrt ZH-Bern im Gang auf der Treppe abhockt. An die abartige Kühlung der Züge hab ich mich gewöhnt, bzw. immer Schal und Jacke dabei.
Weiterer Ärger durch die Gartenmäuse (Taglilie fertig gemacht), den fast gänzlichen Ausfall der Beeren im Garten und die braunen Schleimer.
GEGESSEN: Die ersten eigenen Buschbohnen. Wurde ja Zeit. Reicht grad, um anschliessend die Herbst-Wintersalate zu setzen. Raue Lagen! Wenn das Wachstum der Kürbissblattmasse in irgend einem Verhältnis zum Ertrag stehen sollte, ist die Freude einseitig. Der Gärtner legt ein seltsames Verhalten an den Tag: pflegt sie, mag sie aber nicht.
GEFEHLT: Sommerliche Sternennächte. Laue Abende. Sommer überhaupt.
GEHÖRT: Ein Interview mit Ariane Zappe über die Symbiose von Schul- und Komplementärmedizin, über Keime, Bakterien und Viren.


Zurückgeschaut 4

GELESEN: Kreuz und quer.
Im Buch „Heilen mit Pflanzenessenzen“ von Bruno Vonarburg.
Von Klaus Brinkbäumer und Samiha Shafy las ich „Das kluge, lustige, gesunde, ungebremste, glückliche, sehr lange Leben„. Die Autor*innen sind um die Welt gereist und besuchten Hundertjährige, um sie nach ihren Geheimnissen zu befragen. Dazu fliessen wissenschaftliche Ergebnisse aus der Altersforschung mit ein. Ich mag Porträts von Menschen, in diesem Buch sind viele davon.
Von Christine Fischer das wunderbare, kleine blaue Buch „Im Mai Am Montag“, gekonnte Miniaturen durchs Jahr. Ein Juli-Beispiel:
Im Juli werde ich gewahr, dass meine Sommer angezählt sind. Dies gilt für alle Jahreszeiten, am schmerzlichsten für die Frühlinge.
Und weil bald August ist, ein Eintrag zu ebendiesem:
Mit der Zeit entsteht und vergeht die Frage, ob die Liebe von aussen kommt oder von innen. Sie scheint dem Menschen zugehörig und ist gleichzeitig etwas, dass einzig aus sich heraus besteht.
Zwischendurch hier gepickt: Japan vegan easy von Tim Anderson. Ich mag Kochbücher mit vielen Hintergrundinformationen. Ganz besonders jene, deren Zutatenliste nicht bis zum Mond reicht.
GEDACHT: Es sei nun endlich an der Zeit, das eigene Vorsorgedossier zu komplettieren. Gedacht hab ich das schon des öfteren. Jetzt liegt das Dossier „ICH BESTIMME“ aus dem Beobachter-Verlag auf dem Küchentisch. Ich schaue jeden Tag zu ihm hin.
GEHÖRT: Wieder einmal die besondere Stimme von Tanita Tikaram.
GEKOCHT: Weiter möglichst dem Zerokilometerprinzip gefolgt, sprich, im Garten geschaut, was geerntet und gekocht werden kann.
GEREIST: Ins Berner Oberland, dort u.a. an einem Spätnachmittag die Aareschlucht durchwandert. Kommentar des jüngsten Enkels: Das Wasser hät denn Power! In der Schlucht auf eine mystische und belebende Art, andernorts mit schrecklichen Folgen.
GESEHEN: Gestern den Film „Wer wir waren“ von Marc Bauder. Im Film geht es um die Frage, was Nachkommende zu uns bzw. unserem erstarrten Verhalten in der Klimafrage im weitesten Sinne sagen würden. Wir sehen, dass wir den Karren in den tiefsten Morast gefahren haben und scheinen unfähig, andere Wege einzuschlagen. Mich beeindruckten alle Protagonist*innen sehr, besonders der Ökonom Dennis Snower, der seinen Wandel eindrücklich und sichtlich bewegt darlegt. Ebenso die lebenserfahrene Ozeanologin Sylvia Earle. Ihre Energie und ihre Ausstrahlung in Verbindung mit ihrer Arbeit, wow! Wir brauchen MEHR solcher Menschen! Politiker*innen, die sich nicht in parteigebundene Ränkespiele einbinden lassen… gibt es das überhaupt? Die Klimakrise (damit ist letztlich unser ganzes Sein verbunden, Ernährung, Migration, Überbevölkerung, Erwärmung und vieles mehr) muss lokal und global angegangen werden. Das wurde in Bauder’s Film ganz deutlich. Wenn wir überleben wollen, müssen wir zurück. Weit zurück. Zur Demut und zur Bescheidenheit. Wir haben gar keine andere Wahl. Es gibt Völker, von denen wir zum Umgang mit Ressourcen, den Nächsten (dem Familienverband), dem Respekt gegenüber Tieren und Pflanzen lernen können. Im Film sagte jemand sinngemäss, dass das Zugrundegehen der Welt auch die Reichsten mitreisse, ich dachte an die Ausflüge der Herren Bezos und Co. in den Weltraum… Also, grosse Sehempfehlung, auch wenns keine leichte Sache wird.


Zurückgeschaut 2

GEWESEN: In den Stunden ohne Regen, Graupelschauer oder alles durchdringender Nässe im Garten. Fürwahr eine Gedulds- und Zuversichtsprobe. Die Special-Chili-Pflanzen sehen nicht so aus, als würden ihre Früchte im kommenden Winter Wärme spenden. Dass zudem die Mäuse ihre Winterparty in unserem Garten feierten, hätte nicht sein müssen. Tja.
GEWESEN 2: heute hier. Eindrücklich ja, nachts wäre es nochmals anders. Auf der Heimfahrt Nachdenken darüber, ob zur Thematik Natur-Mensch ganz neue, ungedachte Aspekte aufgetaucht sind. Vorläufiges Ergebnis: nein.
GEDACHT: an den verstorbenen Franco Battiato. Torneremo ancora (Wir werden wieder kommen) rührt besonders an.
GEKAUFT: einige Pflanzen (Sonnenhut, Indigo-Lupine, Orangenthymian usw.).
GESEHEN: Dass die Fuchseltern am nahen Waldrand sechs Junge haben. Ein Vergnügen, vom Wohnzimmer aus ihren Spielen zuzusehen. Der Nachbar, der nach unbestätigten Angaben innerhalb von zwei Stunden über zehn Hühner verloren hat, wird die Fuchsfamilie weniger schätzen.
In einigen Vogelkästen sind Jungvögel: Blaumeisen, Kleiber und vermutlich Rotschwänzchen. Leider kann ich die Tonlage der jugendlichen Gesänge genau wie Grillenzirpen nicht hören. Wo ich doch sonst das Gras wachsen höre!
GEHÖRT: einen Kuckuck. Beim Wandern auf die Cimetta Cardada.
GEFUNDEN: Quinoa aus Schweizer Anbau.
GELESEN: Frauenheilpflanzen von Dr. Heide Fischer. Herbig Verlag. Nützlich. Meine Kräutersammelsaison hat begonnen.
GESTAUNT: Aktuell sind in Alters- und Pflegeheimen viele Betten leer. Darüber staune ich nicht, hingegen über die Aussage, die Menschen hätten wohl Angst, sich im Heim mit C anzustecken und würden deshalb nicht eintreten. Vielleicht haben die Betroffenen und ihre Angehörigen auch verstanden, wieviel Freiheit sie bei einem Heimeintritt verlieren könnten. Im Laufe meiner Berufstätigkeit habe ich zuviele tolle Webauftritte und geschniegelte Prospekte gesehen. Die Realität auch. C hat den in vielen Fällen (es gibt löbliche Ausnahmen, ja!) unguten Zuständen die Krone aufgesetzt. Da ist einiges gut zu machen.
GEFREUT: Der Birnbaum scheint nicht nur die Kältezeit überstanden zu haben, sondern will nach langen Jahren des Wartens nun doch Früchte ausbilden. Der Weg ist noch weit, die Gefahrenliste gross. Wären alle Topazblüten befruchtet, wäre mein Apfelhunger für eine längere Zeit gestillt…siehe letzter Satz. Freuen darf ich mich.



Zurückgeschaut 1

Bevor ich mir Ärger einhandle – diese Form des Zurückblickens haben andere lange vor mir gemacht. Neue Teige in alten Formen oder so…

GEWESEN: Einmal mehr an der Aare, von Hinterkappelen (wo ein Haus steht, in dem ich mal probewohnen möchte) bis Murzelen spaziert. Einem Fluss entlang zu gehen ist eine neu entdeckte Qualität, er fällt mir dabei immer mal wieder ein. Die Weite, Anlehnungen an nordische Landschaften, eine Wasserhaut, die sich balsamisch auf Aufgerauhtes legt, Ruhe beschert und ja, stille Freude schenkt. So grüsse ich sie bei der Ankunft, von der Brücke aus und nehme einen letzten Blick, wenn ich wieder gehe.

Am Kopf GEKRATZT: Eben dere schöne, schöne grüene Aare naa sind sie unterwegs: all die ambitionierten Velosportler*innen. Ausgerüstet, als wären sie unterwegs auf einer Tour-de-France-Etappe, vielleicht auf die Alp d’Huez oder auch nur über den Ricken. Es ist flach, sehr flach der Aare entlang. Und fast alle fahren ein E-Bike mit Reifen, die für Sümpfe oder ein Moor nach Dreiwochenregen ausgelegt sind. Gesund und nachhaltig geben sie sich, vermute ich. Dass gerade die trendigen Sportklamotten fast immer in China hergestellt sind, ist kein Geheimnis. Einfach nicht gut.

GEFREUT: Der Birnbaum – doppelte Philippsbirne – vor gut zehn Jahren gepflanzt, eine alte, resistente Sorte für rauhe Höhenlagen (unsere) wollte zum erstenmal blühen.

GEÄRGERT: Die kapriziösen Wetterschlaufen inkl. Nachtfrost haben diesen Blüten vermutlich den Garaus gemacht. Trotz Vlies und Blachen.

GEFREUT 2: Über diese Lebensfreude! Danke Micha!

GEÄRGERT 2: Über die Forderungen, nun auch Kinder impfen zu wollen. Mit Impfstoffen, die in Windeseile entwickelt wurden, ohne Langzeitstudien und entgegen allen früheren Äusserungen. Überhaupt bekommt frau zunehmend den Eindruck, dass sich aus Impfmöglichkeiten sehr rasch Impfdruck bis Zwang entwickelt. Die kritischen Stimmen von Fachleuten wollen gar nicht gehört werden. Dr. med. Matthias Gauger und Dr. med. Denis Beyer von der Allgemeinpraxis im Muothatal haben sich einmal mehr die Mühe gemacht, Fakten und Fragen zusammenzutragen.
Als Kontrapunkt zur einseitig mechanistischen Betrachtung der Erkrankung bzw. der Massnahmenorder zeigt Prof. Dr. Christian Schubert im Gespräch mit Alexander Glogg auf, dass wichtige Aspekte im Umgang mit dem Virus von Behördenseite überhaupt nicht betrachtet werden. Was machen diese Dauerbefeuerung, das Zahlenrasseln, die Ängste, Isolationen, Zerrbilder usw. mit den Menschen? Die Suizidversuche junger Menschen sind nur die Spitze des Eisbergs. Die Sendung dauert ca. 90 Min.

GEFRAGT: Wie kommt mann/frau zur Ansicht, dass in diesem C-Stück alle „nur das Beste wollen“? Klar, das Beste v.a. für sich selbst. Der Verflechtungen sind viele, wer möchte, kann sich rasch ein Bild machen. Die Hölle ist nicht aussen vor! Wenn Menschen chemische Waffen, KZ für Menschen und Tiere oder Atombomben schaffen, können sie auch ganz andere Dinge machen.

Noch nicht GEKAUFT: Spargeln und Tomaten.

GEHÖRT: Podcasts von weltwach und 52 beste Bücher





Made in Europa, mindestens!

Das sei vorausgesagt: die Schreiberin hegt keine Vorbehalte gegen Menschen aus China, wertschätzt deren Kulturen und Erkenntnisse.
ABER: ich ärgere mich zunehmend darüber, wieviele Güter und Waren des täglichen Bedarfs in China hergestellt werden. Kleider, Dekoartikel, Küchenwaage, Lebensmittel, Fiebermesser, die ganze Elektronik – die Liste liesse sich endlos verlängern. Leider sind das gar nicht nur die „billigen“ Produkte sondern auch Erzeugnisse bekannter Marken, bei denen der Preis durchaus im oberen Segment liegt. Ja, sind wir denn wirklich so dumm geworden? Geben wir das Heft nun ganz aus der Hand? Kulturtechniken aussterben lassen, Handwerk vergessen? Wo bleibt der Ehrgeiz? Einfach abwarten, bis wir ganz am China-Tropf hängen?
Die Gierigen dieser Welt – sie sind fruchtbar – rahmen ab und wollen immer mehr. Das hat diese Krankheit so an sich. Die Güter sind das eine: die nach Macht strebenden Chinesen kaufen auch Weinberge in Frankreich, Land allüberall ausserhalb Chinas, Häfen wie Piräus, Geschäfte in Venedig und Rom usw. Die Absicht dahinter ist klar. Natürlich scheint unseren Politiker*innen (gemeint ist die Wirtschaft dahinter) die Aussicht, Exporte nach China zu ermöglichen, als sehr verlockend. Was für ein Markt!
Doch die Kehrseite der Medaille ist bitter. Neben dem Verlust für unsere eigene Kompetenz und Handlungsfähigkeit werden wir mit Produkten überschwemmt, die in den meisten Fällen unter unwürdigen, unmenschlichen und umweltschädigenden Bedingungen hergestellt werden. Dann kommen die langen Transportwege, deren Preis bis heute nicht ehrlich bezahlt wird. Hier steht viel Ramsch in den einschlägigen Geschäften, schnell und billig gekauft, rasch wieder entsorgt, weil die Dinge eben keinen Wert haben. Und dann die nächste Farbe, das neuste Design, made in China.
Hey Leute! Wenn es einen Sinn für ein vereinigtes Europa gibt, dann der, dass wir unsere Produktionen schützen, pflegen und diese Produkte kaufen!
Nachfragen! Wenn das Etikett nicht ausweist, wo etwas hergestellt wurde, fragt nach! Ich ernte noch immer erstaunte Blicke, wenn ich diese Frage stelle. „Aha, das hab ich noch gar nicht überlegt“, ist so eine Antwort auf die Frage nach der Herkunft.
Als zweifelnde Hofferin halte ich mich an „steter Tropfen höhlt den Stein“.
Es gibt noch Kleider und Hülsenfrüchte aus Europa, einiges andere auch. Okay, nicht immer beim nächstbesten Grossverteiler, aber mit etwas Biss findet man in Europa hergestellte Produkte. Zero-Kilometer und Regio geht nicht immer, so gut das wäre. Aber wir müssen umdenken. Jetzt!

Nur Zufall?

Wie Empowerment verhindert wird
oder die Grossen noch grösser werden

Beginnen wir mit dem Naheliegenden: Seit etwa einem Jahr sind wir alle (mehr oder weniger) den diversen Folgen der Pandemie ausgesetzt. Nach der ersten Schockstarre kam die Zeit des Ausharrens und Wartens, mit einem kurzen Lichtblick im Sommer. Gebannt verfolgten die Menschen die Entwicklung der Fallzahlen und den Fortschritt in der Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen.
Für sehr viele Menschen wurden die letzten Monate zunehmend belastender, bedrückend. Während sich einige Wenige ihre Inseln schaffen konnten, litten viele – jung und alt – an der Situation an sich, beruflicher Unsicherheit, finanziellen Einbussen, genereller Unsicherheit. Angst vor DER Krankheit, dem oder der Nächsten, Angst vor Nähe und Körperkontakt, Zukunftsangst.
Ungut macht sich eine zunehmende Polarisierung der Gesellschaft breit: jene, die beflissen „ja“ sagen zu allem, was bezüglich Verhalten vorgegeben wird und den anderen, die wagen, nachzudenken und nachzufragen. Eigentlich wäre doch genau DAS wünschenswert, eine gesunde Pendelbewegung zwischen den Polen, damit sich Entscheide „gut einmitten lassen“, menschengerecht und verträglich sind. Nun, so sieht es grad gar nicht aus, es fallen bitterböse Worte und in unserem Land, in dem freie Meinungsäusserung gewährleistet sein sollte, ist immer öfter zu hören, „dass man dieses oder jenes besser nicht sage“.
Die lange Einführung, um eben „doch etwas zu sagen“. Zwei Punkte sind mir besonders aufgefallen, Parallelen, die – so vermute ich – kaum Zufall sind. In beiden Fällen geht es im weitesten Sinne darum, naheliegende, kostengünstige Mittel zur Vorbeugung oder Unterstützung der eigenen Gesundheit aus dem Bewusstsein zu verdrängen.

Punkt 1
Ein Muotathaler Hausarzt stellt (natürlich neben anderen Fachpersonen) in jahrelanger, akribischer Beobachtung fest, dass bestimmte Erkrankungen einher gehen mit einem niedrigen Vitamin D-Status. Er vergleicht seine Erfahrungen mit vielen Studien, behandelt ältere Menschen in einem Heim mit Vitamin D und kann schwere Covid-Verläufe verhindern. (Das ist sehr rudimentär zusammengefasst, im Link ist alles ausführlich belegt!). Der Arzt fasst seine Beobachtungen zusammen, wendet sich schliesslich in einem offenen Brief an die Taskforce des Bundes, eine Puls-Sendung SRF folgt, in der die Bedeutung von Vitamin D in der Behandlung bzw. Vorbeugung herabgespielt wird (siehe erweiterte Zusammenfassung). Interessierte lesen die Texte, Links siehe unten. Im ganzen Geschehen, in dem eine nicht unbedeutende Anzahl verschiedenster Fachpersonen Teil der Taskforce waren, habe ich von so genannt offizieller Seite nie gehört, was Menschen unternehmen könnten, um Körper und Psyche zu stärken. Diese Fachperson macht das und gibt spannende Hinweise, wie das Immunsystem (der Mensch als körperlich-seelisch-geistig-soziales Wesen) gestärkt werden kann: wie er eigenmächtiger, verantwortungsvoll handeln kann. Und: absolut spannend (vonwegen „wenn dann alles wieder normal ist“): er macht sich wieder zusammen mit anderen Fachpersonen Gedanken, was denn hinter dem verbreiteten Vitamin D-Mangel ursächlich stehen könnte… dass es vielleicht nicht getan ist mit einer kleinen Kurskorrektur.
Hier also die erwähnten Links:
Die Website der Praxis
http://www.arztpraxis-muotathal.ch/de/home/
Zusatzinformationen nach der SRF-Puls-Sendung (plus weiterführende Gedanken zu den Hintergründen des verbreiteten Vitamin-D-Mangels
http://www.arztpraxis-muotathal.ch/fileadmin/user_upload/SRF_Puls_080221_Zusatzinformationen.pdf
Die Empfehlungen zum Immunsystem
http://www.arztpraxis-muotathal.ch/fileadmin/user_upload/Empfehlungen_Immunsystem260320.pdf

Punkt 2
Über Heini Staudinger und seine Waldviertler Schuhe hab ich auch schon geschrieben. In seinem neusten Brennstoff stellt Heini den Film „Fight The Fever“ oder „Das Fieber“ vor. Die österreichische Regisseurin Katharina Weingartner zeigt in ihrem Film auf, wie rücksichtslos die Konzernwelt versucht, ihre finanziellen Interessen durchzusetzen und die Verbreitung eines günstigen Heilmittels (Artemisia) gegen Malaria zu diffamieren.

Die beiden Punkte zeigen m.E., wie wenig die Wirkmacht des Einzelnen gestärkt werden soll; dass günstige, naheliegende Lösungen weder erwähnt und schon gar nicht gefördert werden, dass die Macht dort bleiben soll, wo sie ist und wo unnennbare Summen verdient werden… Kann es wirklich sein, dass die Menschen eine stumme, formbare und roboterhafte Masse werden sollen oder teilweise schon sind? Müssten wir nicht alles daran setzen, dass jedeR in ihrem/seinem Leben möglichst umfassende Kenntnisse und Eigenermächtigung leben kann? Weshalb geben wir immer mehr Kulturtechniken und Traditionen auf, um uns in beängstigender Weise dem billig produzierenden Ausland auszuliefern?
Wollen wir wirklich seelen- und handamputiert wie ferngesteuerte Wesen unser Dasein fristen? Konsumieren von der Wiege bis zur Bahre?

Wer stoppt diesen Irrsinn?

Wechselhaft

Unbearbeitetes Bild einer Abendstimmung, wie die Schauende sie bisher ausschliesslich im Appenzellerland gesehen hat. Wobei sie an den meisten Orten dieser Welt nicht gewesen ist. So wie es aussieht, wird sich daran auch nicht so viel ändern. Wobei gerade in den vergangenen Wochen ein Unterschied bewusst wurde. Frei gewähltes Alleinsein (was nie einsam sein heisst) ist etwas ganz anderes als von aussen bestimmtes Alleinsein. Wenn frau grundsätzlich weg gehen könnte (wandern, Zug fahren, jemanden treffen…), das aber nicht dringend möchte, fühlt sich das ganz anders an als die Vorgaben der letzten langen Wochen. Wissen, dass es NICHT geht, nicht sein darf, das Gefühl einer latenten Gefahr, unschön, gelinde gesagt. Die Schreibende reiht sich nicht ein in den Chor, der neue Beschaulichkeit, Regionalität, Wahrnehmen des Nächsten oder Bescheidenheit auf die Transparente malt, ganz einfach deshalb, weil diese Eckpfeiler Teil des Hügellebens waren/sind/bleiben.

In der aktuellen Transitphase – die Zeit der tastenden Schritte – werden die Hörenden des Schweizer Radios gefragt, wie sie die Berichterstattung des Senders über die Pandemie empfunden hätten. Die Hörerin, die zu Beginn der Welle oft, mehrschichtig und fast permanent so genannte News und Zahlen verfolgt hat, hat sich mit fortschreitendem Geschehen immer selektiver verhalten. Eine Nachrichtensequenz am Morgen und eine am Vorabend. Punkt. Mehr bringt nicht mehr, auch hier nicht. Doch wenn ein Punkt in den offziellen Medien störend war, dann dieser: Kritische Fragen schienen höchst unerwünscht. Es war offensichtlich, dass Zahlen nicht einfach als feste Grössen gelesen werden dürfen, dass Statistiken in einen Zusammenhang gehören, dass „an“ und „mit“ auseinander dividiert gehören etc. etc. Weiter fehlten Hinweise von offizieller Seite, was (ausser den Distanz- und Hygieneregeln) jeder Mensch unternehmen könnte, um sein Immunsystem zu unterstützen. Es darf einfach nicht sein, dass jede kritische Frage umgehend in einen Zusammenhang zu Verschwörungstheorien gebracht wird. Wer nicht nickt, ist eine Verschwörerin. Eigenes Denken und Nachfragen unerwünscht. Das zu tun, gleicht dem Killerargument „Arbeitsplätze“, wenn von der Ethik einer Waffenproduktion gesprochen wird. Es mag abstruse Ideen geben. Doch wenn die Schreibende hinschaut und das Gebahren von politischen oder juristischen Leitfiguren anschaut, liegen die Verschwörungen eher auf einer anderen Ebene als im Gedankengut kritischer Bürgerinnen.
Und ein Schlusssatz noch zum Radioprogramm (von einer, die gute Radiosendungen sehr schätzt und bewusst auf eine Flimmerkiste verzichtet): dass zum omnipräsenten Thema Virus dann auch noch ein Übermass an Quotenmusik und die düsteren 2.Weltkriegsfolgen ausgestrahlt wurden, liessen sie auf die Kulturprogramme anderer Sender flüchten.

Trotz-dem zum Neunundzwanzigsten

Mit dem Bielefelder Huhn wünsche ich allen, die hier mitlesen, gute Osterzeit. Sie vielleicht nicht in der gewohnten Art feiern zu können, wirft Gewohnheiten und „Traditionen“ über den Haufen. Das bietet neuen Formen, anderen Gedanken – auch der Stille und Ruhe – die Möglichkeit, sich zu zeigen. Im Garten unserer persönlichen Möglichkeiten wetteifern Wunschsaat und Mitkräuter. Was soll ans Licht, was gelebt werden? Wo wurzelt, was immer wieder Unruhe, Missbehagen oder Schmerz bereitet? Zeit vielleicht, mehr Selbstverantwortung zu übernehmen UND unsere Selbstwirksamkeit zu erkennen.
Nichts, was sich über Ostern erledigen lässt. Auch nicht in dreissig Tagen oder einem Jahr. Jetzt gerade bietet sich Gelegenheit, immer mal wieder Distanz zu nehmen und zu fragen, was da genau geschieht. Nicht nur hier, wo vielleicht das Wunschmehl grad mal nicht erhältlich ist.
In diesem Sinne wünsche ich Leitsterne (die Göttinnen mögen die Schreibende vor LeitBILDERN beschützen!), Wegweiser, Urkraft, Entschlossenheit und den Mut, eigen zu werden und zu sein.
Ergänzend sei dieser Text angefügt.

Trotz-dem zum Fünfundzwanzigsten

Für Uneingeweihte: das ist eine namenlose Kartoffel mit Keim. Was für ein Graus waren der Gärtnerin diese langen, ineinander verkeilten Keime der Kartoffeln im dunklen Teil des Kellers. Da sie sich als Kind nur laut singend in den Keller wagte und als Älteste dieses Los oft zugeteilt bekam, weil die Butter zu holen war (einen Kühlschrank gabs erst später), weil eben Kartoffeln, Äpfel oder ein Glas mit eingemachten Zwetschgen benötigt wurden. Aber heute ist nicht die Zeit für Kindergeschichten.
Dem Kartoffelkeim wohnt eine Hoffnung inne. Nämlich die, dass er sich – in die Erde versenkt – vervielfache und neue Erdäpfel wachsen. Hoffnung ist eine Regung, die Kraft geben kann. In Ferne und Nähe offenbart die C-Zeit Sorgen und Not. Das Daheimbleibenmüssen wird für Viele zur Qual, Ängste nehmen zu, finanzielle Probleme wohl auch und nicht alle werden so locker aus Bern abgefedert. Menschen, die bereits zuvor mehr schlecht als recht leben konnten, sind einmal mehr die grossen Verlierer. Weltweit.
Die schreibende Gärtnerin ist eine zweifelnde Optimistin. Fast immer bereit, doch noch zu hoffen. Allen gegenläufigen Erlebnissen zum Trotz. Nein, an einen wirklichen Kurswechsel glaubt sie nicht, immer bereit, das Gegenteil zu erleben (nicht nur, weil sie Nonna ist!). Vielleicht ergibt sich eine neue Optik in einzelnen Bereichen: Unabhängigkeit bei Medikamenten, Schutzmasken und anderen wichtigen Gütern. Ein höherer Eigenvorsorgungsgrad in Bezug auf Lebensmittel. Wertschätzung saisonaler, regionaler und ausbeutungsfreier Produkte. Wahrhaftige und nachhaltige Besserstellung der Pflegenden und der Care-Arbeit und damit verbunden mehr Zeit, Achtung und Respekt allen Menschen gegenüber, v.a. aber allen Schutzbedürftigen. Und noch einiges mehr … nur das noch: die Hoffnung, dass nach der Lockerung der Massnahmen nicht Nachholbedürfnis und hemmungslose Gier einziehen. Dass vielleicht etwas vom Nachdenken, Innehalten, Verzichten und einer anderen Sicht bleibt.
Hier der Schlusspunkt für heute, etwas Hoffnung, etwas Klarheit und andere Perspektiven.