Nur Zufall?

Wie Empowerment verhindert wird
oder die Grossen noch grösser werden

Beginnen wir mit dem Naheliegenden: Seit etwa einem Jahr sind wir alle (mehr oder weniger) den diversen Folgen der Pandemie ausgesetzt. Nach der ersten Schockstarre kam die Zeit des Ausharrens und Wartens, mit einem kurzen Lichtblick im Sommer. Gebannt verfolgten die Menschen die Entwicklung der Fallzahlen und den Fortschritt in der Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen.
Für sehr viele Menschen wurden die letzten Monate zunehmend belastender, bedrückend. Während sich einige Wenige ihre Inseln schaffen konnten, litten viele – jung und alt – an der Situation an sich, beruflicher Unsicherheit, finanziellen Einbussen, genereller Unsicherheit. Angst vor DER Krankheit, dem oder der Nächsten, Angst vor Nähe und Körperkontakt, Zukunftsangst.
Ungut macht sich eine zunehmende Polarisierung der Gesellschaft breit: jene, die beflissen „ja“ sagen zu allem, was bezüglich Verhalten vorgegeben wird und den anderen, die wagen, nachzudenken und nachzufragen. Eigentlich wäre doch genau DAS wünschenswert, eine gesunde Pendelbewegung zwischen den Polen, damit sich Entscheide „gut einmitten lassen“, menschengerecht und verträglich sind. Nun, so sieht es grad gar nicht aus, es fallen bitterböse Worte und in unserem Land, in dem freie Meinungsäusserung gewährleistet sein sollte, ist immer öfter zu hören, „dass man dieses oder jenes besser nicht sage“.
Die lange Einführung, um eben „doch etwas zu sagen“. Zwei Punkte sind mir besonders aufgefallen, Parallelen, die – so vermute ich – kaum Zufall sind. In beiden Fällen geht es im weitesten Sinne darum, naheliegende, kostengünstige Mittel zur Vorbeugung oder Unterstützung der eigenen Gesundheit aus dem Bewusstsein zu verdrängen.

Punkt 1
Ein Muotathaler Hausarzt stellt (natürlich neben anderen Fachpersonen) in jahrelanger, akribischer Beobachtung fest, dass bestimmte Erkrankungen einher gehen mit einem niedrigen Vitamin D-Status. Er vergleicht seine Erfahrungen mit vielen Studien, behandelt ältere Menschen in einem Heim mit Vitamin D und kann schwere Covid-Verläufe verhindern. (Das ist sehr rudimentär zusammengefasst, im Link ist alles ausführlich belegt!). Der Arzt fasst seine Beobachtungen zusammen, wendet sich schliesslich in einem offenen Brief an die Taskforce des Bundes, eine Puls-Sendung SRF folgt, in der die Bedeutung von Vitamin D in der Behandlung bzw. Vorbeugung herabgespielt wird (siehe erweiterte Zusammenfassung). Interessierte lesen die Texte, Links siehe unten. Im ganzen Geschehen, in dem eine nicht unbedeutende Anzahl verschiedenster Fachpersonen Teil der Taskforce waren, habe ich von so genannt offizieller Seite nie gehört, was Menschen unternehmen könnten, um Körper und Psyche zu stärken. Diese Fachperson macht das und gibt spannende Hinweise, wie das Immunsystem (der Mensch als körperlich-seelisch-geistig-soziales Wesen) gestärkt werden kann: wie er eigenmächtiger, verantwortungsvoll handeln kann. Und: absolut spannend (vonwegen „wenn dann alles wieder normal ist“): er macht sich wieder zusammen mit anderen Fachpersonen Gedanken, was denn hinter dem verbreiteten Vitamin D-Mangel ursächlich stehen könnte… dass es vielleicht nicht getan ist mit einer kleinen Kurskorrektur.
Hier also die erwähnten Links:
Die Website der Praxis
http://www.arztpraxis-muotathal.ch/de/home/
Zusatzinformationen nach der SRF-Puls-Sendung (plus weiterführende Gedanken zu den Hintergründen des verbreiteten Vitamin-D-Mangels
http://www.arztpraxis-muotathal.ch/fileadmin/user_upload/SRF_Puls_080221_Zusatzinformationen.pdf
Die Empfehlungen zum Immunsystem
http://www.arztpraxis-muotathal.ch/fileadmin/user_upload/Empfehlungen_Immunsystem260320.pdf

Punkt 2
Über Heini Staudinger und seine Waldviertler Schuhe hab ich auch schon geschrieben. In seinem neusten Brennstoff stellt Heini den Film „Fight The Fever“ oder „Das Fieber“ vor. Die österreichische Regisseurin Katharina Weingartner zeigt in ihrem Film auf, wie rücksichtslos die Konzernwelt versucht, ihre finanziellen Interessen durchzusetzen und die Verbreitung eines günstigen Heilmittels (Artemisia) gegen Malaria zu diffamieren.

Die beiden Punkte zeigen m.E., wie wenig die Wirkmacht des Einzelnen gestärkt werden soll; dass günstige, naheliegende Lösungen weder erwähnt und schon gar nicht gefördert werden, dass die Macht dort bleiben soll, wo sie ist und wo unnennbare Summen verdient werden… Kann es wirklich sein, dass die Menschen eine stumme, formbare und roboterhafte Masse werden sollen oder teilweise schon sind? Müssten wir nicht alles daran setzen, dass jedeR in ihrem/seinem Leben möglichst umfassende Kenntnisse und Eigenermächtigung leben kann? Weshalb geben wir immer mehr Kulturtechniken und Traditionen auf, um uns in beängstigender Weise dem billig produzierenden Ausland auszuliefern?
Wollen wir wirklich seelen- und handamputiert wie ferngesteuerte Wesen unser Dasein fristen? Konsumieren von der Wiege bis zur Bahre?

Wer stoppt diesen Irrsinn?

Radio SRF – die Suppe wird dünner

Ein Umbau der ein Abbau ist

Irgendwie geht grad einiges bachab. Die Schreiberin ist auch eine Hörerin, eine passionierte Radiohörerin. Radio SRF, jahrelang ein Garant für ein qualitativ hochstehendes Angebot, wird zum täglichen Ärgernis. Eine Suppe, die mit guten Zutaten und von kreativen Köch*innen gekocht wurde, ist aufgewärmt am Abend oder am nächsten Tag noch gut. Doch wenn den Grundzutaten über Tage nur noch Wasser und etwas Salz zugefügt wird, haben wir bald trübes Salzwasser. Auf dieser trüben Schiene bewegt sich unser Landessender.

Da werden spannende Sendungen (z.B. 52 beste Bücher, etc.) abgeschafft, sollen sich Lesende doch anderswo bemühen. Unsäglicher noch ist das tägliche Vor- und Nachbereiten von Themen, die etwa soviel Spannungspotential enthalten wie ein grauer Nebeltag (ok.: für Meteorologen mag das anders sein…). Entweder wird über Tage auf eine Sendung hingewiesen, wieder und wieder, so dass sie mir schon verleidet ist, bevor sie überhaupt begonnen hat, dann wird sie gesendet und oh nein, sie ist damit nicht erledigt, denn nun wird sie nachbereitet. Nochmals werden Aspekte aus der Sendung wiedergekäut sprich gesendet. Eine ausgepresste Zitrone ist ausgepresst!

Banale Ereignisse werden auch durch stetes Wiederholen nicht interessanter.Ein Beispiel gefällig? In der letzten Woche jährte sich ein Skirennen, eines, an denen die Herren Russi und Klammer teilgenommen haben. Die Herren haben damals scheinbar eine Freundschaft begonnen, was an sich ja gut ist, aber ohne Relevanz für die Allgemeinheit. Doch für SRF ein Thema, das vom Morgen bis zum Abend immer mal wieder in Einzelteile zerlegt und zelebriert wird. Zigmal werden die Aussagen der beiden Skifahrer wiederholt, als wäre weiss was geschehen. Unendlich langweilig.

Frau Wappler! Ist das Teil des Umbaus? Bezahlen wir dafür Gebühren? Wie halten das Ihre Moderator*innen aus? Die können einem leid tun. Vielleicht ist das übertriebenen überschwängliche Getue Einzelner einfach pure Verzweiflung. Man kann es verstehen.

Zum Glück: es gibt immer noch interessante Sendungen, viele Podcasts. Bitte setzen Sie auf Qualität statt auf das quälende Wiederundwiederundwiederholen. Statt langweiligem Gerede darf auch einfach Musik gespielt werden. Solange man mich vor Quotenmusik verschont….

Alltags(g)rau

Vom Januar und der Schieflage

Die Schreiberin mag Frühling, Sommer und Herbst. Den Winter weniger, ausser einzelne Tage mit Pulverschnee und Sonne. Wie auf den winzig kleinen Neujahrskärtchen von früher (wer die kennt, muss mindestens 50plus sein) oder in der Werbung für Wintersportorte. Karten oder Kärtchen schreiben nur mehr wenige (wobei die reduzierte Anzahl den Wert und die Freude darüber stark erhöhen!), heute bieten die elektronischen Medien effizientere Möglichheiten. Frei von Schweiss, Eigenwilligkeit und sinnlicher Haptik. Mit dem Wintersport ist das in diesem Januar so eine Sache. Während endlich mal Schnee fällt, kommt der Oberspielverderber C ins Spiel und macht einen Strich durch die Abfahrt.
Bitter. Nur sehr eingeschränkt skifahren können oder wehklagen, weil sich Usanzen (eben beispielsweise persönliche Post) auf leisen Sohlen davonmachen, sind Kleinigkeiten. Denn was im Grossen geschieht, macht die Alletage wirklich rau und grau. War da mal ein Traum von einer Welt ohne Kriege, von gerechteren Bedingungen für ALLE; einer Mitwelt, in der Tiere, Pflanzen und Menschen leben können?
Immer mehr verdichtet sich der Eindruck, dass sich das Raumschiff Welt auf eine irre Fahrt ohne Rückkehr begeben hat. Vieles von dem, was die Schreiberin und viele andere (be-)drückt, liegt nicht in der individuellen Psyche sondern in einer Welt in heftiger Schieflage. Das grosse, kranke, ungerechte, gierige Weltgeschehen kriecht subtil in die kleinsten Verästelungen unseres Daseins. Die Regentschaften meist älterer Männer, ihr Umgang mit Kritik, die Eindämmung von journalistischer Vielfalt, die fast gänzliche Negierung des Klimawandels, die Verirrungen einer neuen (alten) Rechten u.v.m. zusammen mit all den aktuellen Einschränkungen im zwischenmenschlichen (Nicht-)Zusammensein sind zuviel. Wenn gängige Benebelungen (TV, Alkohol etc.) aussen vor bleiben, wirds oft bedrohlich. Oder die Sicht ungeschönt.

Herzdank

Ein Lichtblick: Die Bibliothek Hauptpost bleibt offen!

Viel bleibt nicht mehr: auswärts essen? Erinnerst du dich, wann du zum letztenmal eine Speisekarte studiert hast? Dich auf ein Abendessen oder ein Zusammensein gefreut? Gestaunt, was kreativ kochende Gastgeber*innen auf den Teller zaubern? Die Schreiberin konnte es nur mit Hilfe ihres Begleiters wieder erinnern, sooo lange her ist das schon. Ja klar, dieser Mangel gehört eher zur Gruppe „Peanuts“, wie so einiges. Schwerer drückt der Kontaktmangel, v.a. im familiären Kontext. Umarmen – GOPF – nicht aus 5 Metern Distanz am Gartenzaun begrüssen und ins Vakuum schreien… ohne inneres Warnsignal den Enkelkindern begegnen und ohne nach jeder Begegnung beim Einschlafen und Aufwachen das Befinden scannen zu müssen.
Kaum Begegnungen mit Freund*innen. Kein Cafébesuch.
Keine Kultur: ich meine Ausstellungen, Konzerte, Kino und alle weiteren Möglichkeiten. DAS ist bitter, für beide Seiten.
Es ist, als fehle dem Leben das Salz. Frau kann leben, klar. Im Vergleich zu sehr vielen Menschen sogar sehr gut. Trotzdem, es fehlt.
Der heutige Lichtblick: die Bibliothek Hauptpost St. Gallen bleibt geöffnet! Wenigstens diese Nährquelle versiegt nicht. Da hätte sich die Schreiberin das gestrige Angstraffen von Biografien und Hörbüchern ersparen können…

Was wir sind

Lange Stille. Mit dem Bild eines kurzen Sonnenblickes auf ARGA ein Gedicht, das oft weit mehr aussagt als ein langer Text. Dieser Blog hat einen neuen Namen bekommen und wer weiss, vielleicht werden die Wortmeldungen aus ARGA wieder mehr.

Astknoten in der Maserung
Irrlichter
aufleuchtend wie Sternschnuppen

Spiralnebel
Muschelschalengesang
wirbelnde Welten inmitten von Welten

Trautropfen auf Grashalmen
Schneeflocken auf dem Meer

Kräuselungen im Fluss
widerhallende Tempelglocken

Funken im Feuer
wie Regenbogen im Himmel

Wir sind Wirbel
lebenden Lichts

Lama Surya Das, geboren 1950 als Jeffrey Miller
Dieses Gedicht schrieb er 1986 als poetische Antwort auf das letzte Haiku von Son Nakagawa Roshi

Vom Sammeln und anderem

Dem herbstlichen Sommertag (nicht nur meteorologisch gemeint) setzt die sammelnde Gärtnerin einen farbigen Kontrapunkt entgegen. Das Glas der neuen Zeit ist einmal halb voll und bald darauf halb leer. Dabei spielt es keine Rolle, dass die Tage seit dem Eintritt in Phase 3 – ausgehend von vier Lebensaltern – dank dem Strukturverlangen der Gärtnerin gut gefüllt sind. In den Innenwelten (und um diese geht es…) sind schroffe Wege zu queren, pfadlos oft und auf schwankendem Seil ohne Netz. (Noch) kein Hochsitz in Sicht, kein Felsvorsprung, keine Höhle und auch kein Samtsessel. So etwas wie ein temporäres Einmitten in die neue Lebenszeit wäre das Wunschziel, immerhin, eine gute Portion Neugier auf die Prozesse ist vorhanden. So geht sie, mit Sichel und Fernglas, den Wolfstraum im Gepäck und ein Sehnsuchtsbild, das sich erst schemenhaft zeigen will…

Im Reisegepäck sind Kräuter und Heilpflanzen, von Alant bis Ziest. Die einen werden frisch in der täglichen Ernährung verwendet (lebhafte Erinnerung an den allerersten Brennesselpesto vor gut 12 Jahren), viele andere werden gesammelt und lichtgeschützt luftgetrocknet für Teemischungen. Die Gewinnung von Essenzen, Ölauszüge, Salben oder neu auch die Herstellung von Oxymel sind weitere Verwendungsgebiete. Ein gutes Gefühl, die unmittelbar ums Haus gewachsenen Kräuter zur Erhaltung der Gesundheit einsetzen zu können, ergänzt durch Wildsammlungen auf Streifzügen durch die Natur. Für die Räucherungen sind zu den bereits ansässigen weitere gepflanzt: Andorn, Herzgespann, Mariengras und Heiligenkraut. Noch dürfen sie Fuss bzw. Wurzeln fassen in der Umgebung von Artemisia, Angelica oder Crataegus. In der Vielfalt der Pflanzenbotschaften – materiell auf der Körperebene, wenn ein Kraut gegessen wird – phytotherapeutisch im Heilmittel oder subtil auf einer feineren Energieebene wenn sie geräuchert werden, liegen möglicherweise auch Anklänge oder Erhellungen für die Wege ins Pfadlose.

PS. Das Titelbild ist eine Aufnahme des 9-jährigen Enkels

Verweilend

Wie sonst im Leben auch zeigt sich in der Ausgestaltung bzw. in der Art und Weise, wie ein Garten gepflegt/bearbeitet/unterhalten/angelegt/sich selbst überlassen wird, auch etwas viel vom Wesen derjenigen, die ihn hüten. Vielleicht vergleichbar, was für einen Hund man mit sich führt, wie man kocht (heikel!), wo frau einkauft oder wie Menschen ihre Ferienplanung angehen. Alles sehr individuelle Fragen mit dem Potential, ein Reizthema zu werden. Solche liegen derzeit allüberall in der Luft. Im Grossen wie im Kleinen tut mensch gut daran, die eigenen Worte mit Bedacht zu wählen, durchzuatmen und gelegentlich halt einfach zu schweigen… wobei… Ruhe jetzt!
Der ARGA-Garten ist gute zehn Jahre jung. Bereits hier waren die Lärchen, Birken, Tannen, Hainbuche, Weissdorn, Holunder und einige mehr. Der Rhododendron, Bergflockenblumen und eine Azaleenart. Damit hatte es sich weitgehend. Der Garten bzw. die Möglichkeiten, hier gärtnerisch zu wirken, war mit ein Grund, dass sich die Gärtners hier niederliessen. Jetzt, gute zehn Jahre später, sind die Einwirkungen und das Lassen sichtbar. Klar war immer, dass Gärtners Garten biologisch gepflegt wird, dass Biodiversität einen hohen Stellenwert hat und dass er ein Nahrungsangebot für Tiere, v,a. Insekten haben soll (eigentlich dachten Gärtners nicht unbedingt daran, dass auch SCHNECKEN und Rehe an der Futterkrippe stehen werden).
Rückzugsmöglichkeiten für Tiere – leider noch immer kein Igel – sind zwingend, Nistkästen für diverse Vögel, den Wassertrog für die Seerosen bewohnt Jakob Molch mit Gefolge.
Dem Gegebenen folgend und den eigenen Bedürfnissen entgegenkommend, hat er sich auf drei Etagen zu einem Mix aus Blumen-, Nutz- und Lebensgarten verwandelt. Umwandlungsort von Grünmasse in Kompost, temporäre Schlafstätte für Gärtners, Spielplatz für Kinder, Treffpunkt von Katzen, Dachs, Fuchs und Reh, Beobachtungsstätte für die Aufzuchtarbeit der Vögel und Flugversuche der jungen Rotmilane und und und.
Das Verhalten bzw. das Verweilen der Pflanzen erfüllt mit Dankbarkeit. So gibt es Gewächse, die nun seit Jahren mitwachsen, sich versamen oder bei ungünstigem Standort weiterziehen. Die pfirsichblättrige Glockenblume zum Beispiel war arg bedrängt durch Beerenstauden und zog sich ganz zurück. Dieses Jahr nun blüht sie an einem ganz anderen Ort (freistehend und besonnt), ohne dass jemand eingegriffen hätte. In jedem Frühling kommt unweigerlich die Wiedersehensfreude mit Päonien, Clematis, Monarde, Fuchsien, Rosen und v.m.
Verweilend und der steten Veränderung bewusst einen Platz suchen, an dem der eigenen Entfaltung nichts im Wege steht. An die Sonne ziehen. Rückzug. Manchmal sogar ganz und für immer gehen. Wenn Boden, Lichtverhältnisse oder Nahrung nicht passen, braucht es eine Veränderung. Bei Pflanzen und Menschen. Auf dass es allen wohl sein kann…



Wechselhaft

Unbearbeitetes Bild einer Abendstimmung, wie die Schauende sie bisher ausschliesslich im Appenzellerland gesehen hat. Wobei sie an den meisten Orten dieser Welt nicht gewesen ist. So wie es aussieht, wird sich daran auch nicht so viel ändern. Wobei gerade in den vergangenen Wochen ein Unterschied bewusst wurde. Frei gewähltes Alleinsein (was nie einsam sein heisst) ist etwas ganz anderes als von aussen bestimmtes Alleinsein. Wenn frau grundsätzlich weg gehen könnte (wandern, Zug fahren, jemanden treffen…), das aber nicht dringend möchte, fühlt sich das ganz anders an als die Vorgaben der letzten langen Wochen. Wissen, dass es NICHT geht, nicht sein darf, das Gefühl einer latenten Gefahr, unschön, gelinde gesagt. Die Schreibende reiht sich nicht ein in den Chor, der neue Beschaulichkeit, Regionalität, Wahrnehmen des Nächsten oder Bescheidenheit auf die Transparente malt, ganz einfach deshalb, weil diese Eckpfeiler Teil des Hügellebens waren/sind/bleiben.

In der aktuellen Transitphase – die Zeit der tastenden Schritte – werden die Hörenden des Schweizer Radios gefragt, wie sie die Berichterstattung des Senders über die Pandemie empfunden hätten. Die Hörerin, die zu Beginn der Welle oft, mehrschichtig und fast permanent so genannte News und Zahlen verfolgt hat, hat sich mit fortschreitendem Geschehen immer selektiver verhalten. Eine Nachrichtensequenz am Morgen und eine am Vorabend. Punkt. Mehr bringt nicht mehr, auch hier nicht. Doch wenn ein Punkt in den offziellen Medien störend war, dann dieser: Kritische Fragen schienen höchst unerwünscht. Es war offensichtlich, dass Zahlen nicht einfach als feste Grössen gelesen werden dürfen, dass Statistiken in einen Zusammenhang gehören, dass „an“ und „mit“ auseinander dividiert gehören etc. etc. Weiter fehlten Hinweise von offizieller Seite, was (ausser den Distanz- und Hygieneregeln) jeder Mensch unternehmen könnte, um sein Immunsystem zu unterstützen. Es darf einfach nicht sein, dass jede kritische Frage umgehend in einen Zusammenhang zu Verschwörungstheorien gebracht wird. Wer nicht nickt, ist eine Verschwörerin. Eigenes Denken und Nachfragen unerwünscht. Das zu tun, gleicht dem Killerargument „Arbeitsplätze“, wenn von der Ethik einer Waffenproduktion gesprochen wird. Es mag abstruse Ideen geben. Doch wenn die Schreibende hinschaut und das Gebahren von politischen oder juristischen Leitfiguren anschaut, liegen die Verschwörungen eher auf einer anderen Ebene als im Gedankengut kritischer Bürgerinnen.
Und ein Schlusssatz noch zum Radioprogramm (von einer, die gute Radiosendungen sehr schätzt und bewusst auf eine Flimmerkiste verzichtet): dass zum omnipräsenten Thema Virus dann auch noch ein Übermass an Quotenmusik und die düsteren 2.Weltkriegsfolgen ausgestrahlt wurden, liessen sie auf die Kulturprogramme anderer Sender flüchten.

Farbenrausch

Seit etwa drei Jahrzehnten begleiten drei Pflanzen das Leben der Gärtnerin. Haben Aus- und Umzüge überlebt, hatten gute und weniger gute Plätze, dunkle Überwinterungsorte und ab und zu sah es so aus, als würde die eine oder andere den Sommer nicht überleben. Eine davon ist diese alte Päonie im Titelbild. Jahrelang stand sie in einem Topf, zu klein, auf einer oft zu besonnten Terrasse. Vor über zehn Jahren wurde sie aus dem Topf befreit (Käfighaltung! Böse Gärtnerin!) und nach einem Jahr in der Gartenerde belohnte sie die Betrachtenden mit drei wunderbaren Blüten. Dieses Jahr setzte ihr der Nachtfrost zu, doch was für eine Überraschung: heute zeigt sie bereits Blüten. Sie sind weniger dunkel und weniger gross, aber sie blüht!
(Aha, die beiden anderen Begleitpflanzen? Also: ein Olivenbäumchen, das seit letzten Herbst eine! Olive trägt und eine Fuchsie).

Der weiter unten folgende, bildliche Farbreigen soll nicht darüber hinweg täuschen, dass heute und jetzt vieles Anlass zu Sorge gibt. Die Schreibende erinnert sich an die Aufbrüche in der Dritt-Welt-Bewegung, an Schachteln von Bananen, die an Standaktionen bei jedem Wetter verkauft wurden; an Kaffee, dessen Preishintergrund frau bis zum Stottern erklärte und wiederholte und tausendmal dankte, wenn ein engagierter Lehrer zwei Pakete fürs Lehrerinnenzimmer kaufte. Feuer und Flamme! Herzblut und der Glaube, wirklich etwas bewegen zu können, beseelte die Gruppe. Hoffnung, dass die Welt gerechter werden könnte. Weniger Hunger und weniger Kriegschauplätze. Ein Traum? Eine Utopie? Auf die Schnelle könnte frau zu einem solchen Urteil kommen. Vor etwa vierzig Jahren (oh schreck, wer schreibt das?? 40 Jahre???) wurden an verschiedenen Orten verschiedenste Bewegungen ins Leben gerufen, die bis heute auf verschiedene Art und Weise daran arbeiten, gerechter, fairer, mitweltverträglicher, nachhaltiger zu agieren. Zwei Beispiele: der Betrieb von Gino Girolomoni, der in Mittelitalien dafür sorgte, dass Kleinbauern ihr Getreide biologisch anbauen und vermarkten konnten und nicht in die Städte abwandern mussten. Mit unendlich vielen Hürden durch den Staat… heute wird der Betrieb von seinen drei Kindern geführt – die Schreibende hatte Gelegenheit, den Betrieb samt Pastaproduktion zu besuchen. Ein Tipp: im Genossenschaftsladen St. Gallen und Claro St. Gallen findet sich die Pasta von Girolomoni im Sortiment.
Ebenfalls vor vierzig Jahren wurde Longo Mai gegründet, hier wurde auch schon darüber geschrieben. Aus Sicht der Schreibenden sind besonders die Verdienste um den Erhalt alter Kulturtechniken, der Erhalt des Wissens über Saatgut (grosses Thema)!, der Widerstand gegen Abholzung von Wäldern und v.a. die Schaffung von Perspektiven für junge Menschen, welche in den Normsystemen keine Zukunft für sich sehen, besonders verdienstvoll.
Und ja natürlich: auch die Dritte-Welt bzw. Claro-Läden sind geblieben. Mit vielen positiven Effekten. Der grosse Traum aber…

Sich an „solche Geschichten“ zu erinnern, ist wichtig. Gibt ein wenig Balsam, wenn der Eindruck entsteht, in einer komplett in Aufruhr geratenen Welt zu versinken… weil die Schreiberin eine optimistische Zweiflerin oder eine zweifelnde Optimistin ist, vor den Farben ein Zitat vom charismatischen Gino Girolomoni:

Man darf niemals aufgeben und muss weiterhin hoffen, nicht sosehr, um die Welt zu retten – das ist vielleicht eine zu schwierige Aufgabe – sondern einfach, um nicht auf der Seite derjenigen zu stehen, die sie zerstören- Gino Girolomoni

Nahaufnahmen

In Tagen, in denen frau völlig ausfransen könnte ob all den Meldungen, Eindrücken, Befürchtungen, Mutmassungen, Ängsten und wenig Hoffnungsvollem (welches Departement ist für Hoffnung zuständig?) – nun, an solchen Tagen Bilder ohne weitere Worte.

Dieses Bild hat eine Nachgeschichte, die Rehfreundin wartet noch auf eine Antwort…