Zurückgeschaut 6

GEFREUT: Über das Licht an den schönen Herbsttagen; über jeden Tag an dem der Nebel nicht bis zu uns wabbert; über den gleichen Nebel, wenn er wattebauschig in Tälern und Mulden hängt und über das Lärchengold unter dem Blauhimmel.
GEWESEN: In der ewigen Stadt. Es sei dem Maler Klee gleich getan: das Licht ist anders, lässt Ocker, Terracotta, Sand, Maisgelb oder Siena strahlen. Der Ausblick über die Stadt vom Monte Gianciolo aus ist einmalig, zuvor der Spaziergang durch Trastevere, Besuch der Kirche Santa Maria di Trastevere. Hauptmotiv für die Besuche der diversen Marienkirchen ist die Bewunderung und Freude an den Mosaiken. Santa Prassede war vor gut 25 Jahren schon mal Ziel, der Besuch dort diente vorallem der Überprüfung meiner Erinnerung. Und tatsächlich kann frau mit einem Euro den Sternenhimmel und die Mosaikarbeiten illuminieren. Herrlich!
Das MAXXI zeigt bis im Februar 22 Amazônia” von Sebastião Salgado. Seine grossformatigen SW-Bilder aus dem Amazonas-Gebiet zeigen Flüsse, Regenwald und Wetterphänomene. Die Bilder hängen grösstenteils in den Räumen, dazu ist Musik von Jean-Michel Jarre zu hören. Die Bilder/der transportierte Bildinhalt zusammen mit dieser Musik in den dunklen Räumen trägt die Schauenden (mich zumindest) irgendwo zwischen diese Bäume, Pflanzen und das Fliesswasser. Integriert sind Infopavillons in denen Salgado und seine Frau verschiedene Gruppen von Ureinwohner*innen Amazoniens vorstellen. Vertreter*innen dieser Gruppen wenden sich in Kurzfilmen an die Welt um aufzuzeigen, was Bolsonaro durch sein rücksichtsloses Vorgehen anrichtet. An den Wänden sind Porträts und Szenen aus dem Alltagsleben zu sehen, nah und unmittelbar, berührend. Manchmal so nah, dass der Blick der Menschen direkt ins Herz geht…
GEFAHREN: Mit dem Hochgeschwindigkeitszug „Frecciarossa“. In gut drei Stunden von Mailand nach Rom, keine Flugscham, pünktlich, sauber, guter Service. Klingt grad wie ein Werbespruch. Wer öfters in der Schweiz im Zug unterwegs ist, hat mitbekommen, dass hier Pannen zu- und Sauberkeit abgenommen haben. Durch häufige Verspätungen mit gleichzeitig knapper Umsteigezeit werden Reisen immer mal wieder zu langfädigen Ausharrübungen. Wobei der öV in Italien auf den Paradestrecken top ist, die Anbindung kleinerer Orte jedoch weist gravierende Mängel auf. Da wird Rollmaterial aus den Fünfzigerjahren (schätze ich jetzt mal) eingesetzt, Menschen mit einer Beeinträchtigung schaffen es kaum, die hohen Tritte beim Einstieg zu erklimmen. Etwa gleich ärgerlich bzw. unmöglich kann es für Ältere oder gar Menschen im Rollstuhl werden, sollten sie auf die verwegene Idee kommen, die Metro in Rom benutzen zu wollen.
GEDACHT: Städte wie Rom machen so viele Menschheitsprobleme sichtbar. Entwurzelung, Migration, Armut und Elend, Billigstramschangebote aus China*, Abfallberge, mehr als zweifelhafte Nahrungsangebote, sprich Fastfood der untersten Kategorie usw..
*Ganz bewusst besuchte ich ein grosses Kaufhaus (es soll dem ehemaligen Politiker Berl. gehören…). Ich fand weder bei den Kleidern noch beim Geschirr irgendein Produkt, das nicht aus China kommt.
GEHÖRT: Von dekadenten Hotelbesuchern in einem Römer Luxushotel (der Bezug ergibt sich, weil eine Bekannte dort arbeitet). Beispiel gefällig? Anruf nachts um zwei beim Service: „Ich möchte jetzt ein gebratenes Gitzi, bezahle 5000 Euro“. Zum Glück bliebs beim Wunsch. Auch mit Geld kann Mann nicht immer alles bekommen.
GEGESSEN: Hauptsächlich Gemüse und nochmals Gemüse, Leguminosen und Früchte. Zum Beispiel im Aromaticus an der Via Urbana in Trastevere. Vegetarisch-vegan vom Feinsten. Wow, was für Düfte dem Bambuskörbchen entwichen… und dazu der Sencha im wunderschönen Krug und eine Menge Bücher. Glückskind du.
GELESEN: Der Salzpfad von Raynor Winn. Zum Inhalt kannst du hier nachlesen.
Weiter zur Masslosigkeit der Massentierhaltung ein Interview mit dem Soziologen Mike Davis der vor 15 Jahren sagte, dass wir wegen der Massentierhaltung ein globales Zeitalter der Pandemien beschreiten werden. Quelle: brennstoff Nr. 60 S. 14 und in der Republik hier. Schwerste Kost!


Irrgang

Einer meiner Lieblingsorte ist die Bibliothek Hauptpost im Osten des Landes. Neben anderen natürlich. Seit meinem letzten Besuch frage ich mich, wohin uns diese bizarre Zeit noch katapultieren will. Natürlich ist es nicht die Zeit, es sind Menschen, die Vorgaben umzusetzen haben. Nein, es folgt kein Statement zu Sinn oder Nichtsinn.

Fakt: Vor dem Eingang zur Bibliothek steht ein Mann, seine Uniform weist ihn als Angehörigen irgend eines Sicherheitsdienstes aus. Ich zeige das geforderte Zertifikat samt Personalausweis. Zu diesem Zeitpunkt trage ich eine Maske. Harsch weist mich der Eingangswächter an, meine Maske hinunter zu ziehen, offensichtlich will er das ID-Bild und mein Gesicht vergleichen (es liegen Jaaahre dazwischen, das sei mal gesagt…). Ich bin konsterniert und frage ihn, ob er da nicht etwas übertreibe. Das wolle der Chef, sagt er und ich: “ dann muss ich mal mit ihrem Chef sprechen“!. Dann stolpere ich in die Bibliothek, die wirkliche Stöberlust ist mir definitiv abhanden gekommen. Der Vorfall lässt mich nicht los, ich überlege, welchen Chef er wohl gemeint haben könnte. Den Bibliothekschef? Das wäre bitter. Oder vielleicht Herrn B. aus Bern? Oder einen kommunikativen Vertreter des BAG?

Mal Klartext: es ist grundsätzlich mehr als absurd, dass diese 3 G-Regelung für eine Bibliothek in dieser Grössenordnung angewendet werden muss. Es bewegen sich wenige Menschen gleichzeitig zwischen den Bücherregalen und man „juckt“ ja schon zur Seite, wenn ein Mensch naht. Ja, ich weiss, Bern will es so. Nur wieso dürfen vier Leute in einem Zugsabteil von St. Gallen nach Bern sitzen, essen, husten, atmen? Vier Leute notabene, die sich nicht kennen? Die kein 3-G-Zertifikat haben?

Ich komme vom Thema ab.

3-G-Test am Eingang zu einem Ort, wo Bildung und Kultur und Wissen zu haben sind. Ok., muss scheinbar sein. Aber: als Höhepunkt eine Gesichtsprüfung durch eine uniformierte Person. Ich fasse es noch heute kaum. Wo sind wir? Da läuft etwas mächtig falsch!

Zu kurz gedacht?

Es war mehr am Rande der immer noch aktuellen Ereignisse zu hören: die Institutionen für ältere Menschen, also die Alters- und Pflegeheime hätten zur Zeit viele freie Betten. In einer Radiosendung äusserte ein Vertreter eines Heimverbandes die Vermutung, dass die Menschen zur Zeit nicht in ein Heim eintreten möchten, weil sie Angst hätten, sich mit dem C-Virus anzustecken.

Es mag sein, dass den Einen oder die Andere eine solche Angst plagt. Ich vermute aber, dass die Menschen – potentielle Heimbewohner*innen und Angehörige – ganz andere Gründe haben, einen Eintritt möglichst weit hinauszuschieben. Denn während den langen Monaten, in denen Heimbewohner*innen separiert, isoliert und bevormundet wurden, hat sich auf eine ganz unschöne Weise gezeigt, wie unwohnlich viele so genannte Heime sind. Gab es bereits vor C eine Diskrepanz zwischen den tollen Internetauftritten und der Realität im Heimalltag, entblösste die Art und Weise des Umgangs während des Lockdowns, wieviel Freiheit erwachsenen, zahlenden Bewohner*innen blieb. Nämlich sehr oft keine. Mein Berufsweg und meine Rolle als Angehörige haben mir ermöglicht, in die Eingeweide einiger Institutionen zu schauen. Es liegt mir fern, einen Rundumschlag zu inzensieren, doch Illusionen mach ich mir (und anderen) gar keine. Ich habe im Umfeld mehrfach miterleben können/müssen, wie rasch sich der Zustand von Menschen nach einem Eintritt in eine Institution zum Unguten verändert hat.

Dreimal täglich essen (nein, wir reden jetzt nicht über viel zu viel Weissmehl, Zucker und Fleisch) und sauber in sauberen Kleidern zu sein ist nicht alles. Gar nicht. Menschen die in einem Heim leben (müssen), brauchen Ansprache, Zuwendung, Körperkontakt, Begegnungen. Wegen *C * alles weitgehend gestrichen. Aktivierungen, Turnen, Singen meistens gestrichen. In einer Institution sagte mir eine Stationsleiterin, während des Lockdowns hätten alle Bewohner*innen ihrer Station alle Psychopharma-Reserven gebraucht. Es dauerte oft endlos, bis minimalste Begegnungen (natürlich und richtigerweise mit Schutzkonzepten) möglich waren. Es gab Ausnahmen, im Tessin wurde rasch eine Art „Glaszimmer“ geschaffen, einzelne Heimleitungen mit Grips und Herz fanden adäquate Möglichkeiten zur Begegnung, während andere Monate brauchten, um telefonieren via Laptop einzurichten.

Bei der Frage ob Eintritt oder nicht wird gerne argumentiert, im Alters- und Pflegeheim sei *man* sei dann nicht mehr so alleine. Stimmt meistens nicht. Wer selbst Kontakt aufnehmen kann zu anderen, findet diesen vielleicht. Alle anderen und das ist die Mehrzahl, sitzt verloren und wartend da. Traurige Realität. Da ziehe ich persönlich technische/elektronische Hilfsmittel der mürrischen Anwesenheit ausgelaugter Pflegepersonen vor…

Ja, es ist mir bewusst, dass *kein Heim* ganz andere Fragestellungen aufwirft. Wer betreut? Wer bezahlt diese Betreuung? Wer leistet sie? Bisher ist es meistens so, dass auch diese Care-Arbeit von Frauen geleistet wird, fast immer ohne Lohn. Von den Frauen, die bald länger arbeiten dürfen und nach dem Willen einiger Bernköpfe im besten Falle auch noch ins Militär gehen sollten. Ok. Natürlich wollen wir Gleichberechtigung. Nur muss dann auch die Care-Arbeit gerecht verteilt werden und frau darf nicht doppelt bestraft werden: zum ersten, in dem man ihr unbezahlte Arbeit überlässt und zum zweiten durch die zwangsläufig folgenden Ausfälle bei der Altersversorgung. Eine gerechte Lösung monetär zu regeln, wird herausfordernd. Es braucht andere Modelle. Vielleicht endet ja die äusserst unheilvolle Wachstumsmanie und ermöglicht ein ganz anderes Wachstum… Hoffen ist (noch) nicht verboten.




Zurückgeschaut 5


GEWESEN: Im fast unbekannten Wallis bei fast durchwegs sonnigem Wetter. Unter anderem zusammen mit den Jungs auf freie Sicht zum Matterhorn gewartet, 65 Prozent-Erfolg:-).
GEFREUT: über die vielen Insekten z.B. am Dost. Als ich dieses Summen vor Jahren zum erstenmal hörte, glaubte ich, ein Bienenschwarm sei gelandet. Schwalbenschwanz, Kaisermantel und Bläuling waren grad auch vor Ort. Die Kamera nicht.
Neuartige Freuden entstehen durch den Welpen der Tochterfamilie.
Seit diesem Jahr sind wir im „Zucchettischwemme-Forum“ zugelassen. Wir können mitreden. Es geht soweit, dass ich heute rohe Zucchettispaghetti produzierte. Kann frau essen.
Vorfreude auf den Stickkurs. Diese Technik hat mich in der Abschiedszeit einer nahen Person auf eine besondere Art getröstet. Ruhig, fast meditativ verbinden sich Grundlage, Faden, Gedanke, meine Hand erschafft eine Oberfläche, überzieht Stoff oder Papier. Die Farben und Strukturen der Garne haben eine hohe Sinnlichkeit, sie laden ein zur sanften Berührung, schaffen Wege zwischen zwei Punkten, legen sich schief, werden aufgelöst, neu verortet wie eine Erinnerung, ich sehe den Sonntagstisch mit der gestickten Decke, weiss erst jetzt, wieviel Zeit in den rankenden Blumen festgehalten ist wo doch unsere so gestundet ist. Einen Trägerstoff und Fäden verbinden, keinem unmittelbaren Zwecke dienend, aus Freude oder weil die Fäden auch eine schwer beschreibbare Sehnsucht stillen, vielleicht etwas Ruhe geben in der überhitzten, fragmentierten und zunehmend beängstigenden Welt.
GEÄRGERT: Die SBB zieht zig fast leere 1. Klass-Wagen durchs Land, während frau die Fahrt ZH-Bern im Gang auf der Treppe abhockt. An die abartige Kühlung der Züge hab ich mich gewöhnt, bzw. immer Schal und Jacke dabei.
Weiterer Ärger durch die Gartenmäuse (Taglilie fertig gemacht), den fast gänzlichen Ausfall der Beeren im Garten und die braunen Schleimer.
GEGESSEN: Die ersten eigenen Buschbohnen. Wurde ja Zeit. Reicht grad, um anschliessend die Herbst-Wintersalate zu setzen. Raue Lagen! Wenn das Wachstum der Kürbissblattmasse in irgend einem Verhältnis zum Ertrag stehen sollte, ist die Freude einseitig. Der Gärtner legt ein seltsames Verhalten an den Tag: pflegt sie, mag sie aber nicht.
GEFEHLT: Sommerliche Sternennächte. Laue Abende. Sommer überhaupt.
GEHÖRT: Ein Interview mit Ariane Zappe über die Symbiose von Schul- und Komplementärmedizin, über Keime, Bakterien und Viren.


Zurückgeschaut 4

GELESEN: Kreuz und quer.
Im Buch „Heilen mit Pflanzenessenzen“ von Bruno Vonarburg.
Von Klaus Brinkbäumer und Samiha Shafy las ich „Das kluge, lustige, gesunde, ungebremste, glückliche, sehr lange Leben„. Die Autor*innen sind um die Welt gereist und besuchten Hundertjährige, um sie nach ihren Geheimnissen zu befragen. Dazu fliessen wissenschaftliche Ergebnisse aus der Altersforschung mit ein. Ich mag Porträts von Menschen, in diesem Buch sind viele davon.
Von Christine Fischer das wunderbare, kleine blaue Buch „Im Mai Am Montag“, gekonnte Miniaturen durchs Jahr. Ein Juli-Beispiel:
Im Juli werde ich gewahr, dass meine Sommer angezählt sind. Dies gilt für alle Jahreszeiten, am schmerzlichsten für die Frühlinge.
Und weil bald August ist, ein Eintrag zu ebendiesem:
Mit der Zeit entsteht und vergeht die Frage, ob die Liebe von aussen kommt oder von innen. Sie scheint dem Menschen zugehörig und ist gleichzeitig etwas, dass einzig aus sich heraus besteht.
Zwischendurch hier gepickt: Japan vegan easy von Tim Anderson. Ich mag Kochbücher mit vielen Hintergrundinformationen. Ganz besonders jene, deren Zutatenliste nicht bis zum Mond reicht.
GEDACHT: Es sei nun endlich an der Zeit, das eigene Vorsorgedossier zu komplettieren. Gedacht hab ich das schon des öfteren. Jetzt liegt das Dossier „ICH BESTIMME“ aus dem Beobachter-Verlag auf dem Küchentisch. Ich schaue jeden Tag zu ihm hin.
GEHÖRT: Wieder einmal die besondere Stimme von Tanita Tikaram.
GEKOCHT: Weiter möglichst dem Zerokilometerprinzip gefolgt, sprich, im Garten geschaut, was geerntet und gekocht werden kann.
GEREIST: Ins Berner Oberland, dort u.a. an einem Spätnachmittag die Aareschlucht durchwandert. Kommentar des jüngsten Enkels: Das Wasser hät denn Power! In der Schlucht auf eine mystische und belebende Art, andernorts mit schrecklichen Folgen.
GESEHEN: Gestern den Film „Wer wir waren“ von Marc Bauder. Im Film geht es um die Frage, was Nachkommende zu uns bzw. unserem erstarrten Verhalten in der Klimafrage im weitesten Sinne sagen würden. Wir sehen, dass wir den Karren in den tiefsten Morast gefahren haben und scheinen unfähig, andere Wege einzuschlagen. Mich beeindruckten alle Protagonist*innen sehr, besonders der Ökonom Dennis Snower, der seinen Wandel eindrücklich und sichtlich bewegt darlegt. Ebenso die lebenserfahrene Ozeanologin Sylvia Earle. Ihre Energie und ihre Ausstrahlung in Verbindung mit ihrer Arbeit, wow! Wir brauchen MEHR solcher Menschen! Politiker*innen, die sich nicht in parteigebundene Ränkespiele einbinden lassen… gibt es das überhaupt? Die Klimakrise (damit ist letztlich unser ganzes Sein verbunden, Ernährung, Migration, Überbevölkerung, Erwärmung und vieles mehr) muss lokal und global angegangen werden. Das wurde in Bauder’s Film ganz deutlich. Wenn wir überleben wollen, müssen wir zurück. Weit zurück. Zur Demut und zur Bescheidenheit. Wir haben gar keine andere Wahl. Es gibt Völker, von denen wir zum Umgang mit Ressourcen, den Nächsten (dem Familienverband), dem Respekt gegenüber Tieren und Pflanzen lernen können. Im Film sagte jemand sinngemäss, dass das Zugrundegehen der Welt auch die Reichsten mitreisse, ich dachte an die Ausflüge der Herren Bezos und Co. in den Weltraum… Also, grosse Sehempfehlung, auch wenns keine leichte Sache wird.


Zurückgeschaut 3

GEFREUT: über viel ganz lebendige Zeit mit den jungen Familienmitgliedern. Und ganz neu dabei der schwarze Vierbeiner. Nach den Erfahrungen der letzten Monate bleibt bei aller Freude und Leichtigkeit eine Spur Schmerz und Sorge – die kollateralen Einschnitte all des Geschehens sind nicht einfach weg. Frau tastet sich mit vielen Fragen in einen neuen Alltag.
GEFRAGT: Ob sich die Risse im Gefüge (sprich die Angst des Menschens vor dem Gegenüber, die latente Einschätzung des Anderen als Virensprayer*in) irgendwann wieder schliessen werden? Oder ob die vielbeschworene Regionalität beim Einkauf lediglich eine temporäre Angelegenheit war oder ob vertiefter darüber nachgedacht wird, in welche Abhängigkeiten wir uns begeben haben? Weil der Preis noch (fast) immer entscheidet, was in den Rucksack wandert. Gibt es effektive Verhaltensänderungen oder heisst es: „Nach dem Impfen ist vor Corona“? Frau darf gespannt sein.
GEÄRGERT: Unglaublich, da redet alle Welt davon, Lebensmittelverschwendung müsse unbedingt verhindert werden und was geschieht (nicht nur) in der Westschweiz? Tonnen von Gemüse werden vernichtet… hier nachzulesen.
GESORGT: Die Unbeständigkeit des Wetters – immer wieder. Alle Phänomene scheinen extremer zu werden.
GESTAUNT: Dass es soo viele Schnecken gibt… und positiv gestaunt über die Rosen, Clematis und all die anderen Blumen. Über die Fülle von Schwalbenschwanz-Schmetterlingen auf der Südrampe im Wallis.
GEWANDERT: Auf eben der Südrampe, von Laupen nach Murten, dem Rhein entlang. Und 45 Minuten im nahen Ausland, ohne Covid-Pass.
GELESEN: Tage des Vergessens. Yvonne Zitzmann. Spannend und beklemmend zugleich.
GEERNTET: Salat, Kohlräbli, grüner Heinrich, Mangold, Krautstiel, Erdbeeren und Teekräuter für den Wintervorrat.

Zurückgeschaut 2

GEWESEN: In den Stunden ohne Regen, Graupelschauer oder alles durchdringender Nässe im Garten. Fürwahr eine Gedulds- und Zuversichtsprobe. Die Special-Chili-Pflanzen sehen nicht so aus, als würden ihre Früchte im kommenden Winter Wärme spenden. Dass zudem die Mäuse ihre Winterparty in unserem Garten feierten, hätte nicht sein müssen. Tja.
GEWESEN 2: heute hier. Eindrücklich ja, nachts wäre es nochmals anders. Auf der Heimfahrt Nachdenken darüber, ob zur Thematik Natur-Mensch ganz neue, ungedachte Aspekte aufgetaucht sind. Vorläufiges Ergebnis: nein.
GEDACHT: an den verstorbenen Franco Battiato. Torneremo ancora (Wir werden wieder kommen) rührt besonders an.
GEKAUFT: einige Pflanzen (Sonnenhut, Indigo-Lupine, Orangenthymian usw.).
GESEHEN: Dass die Fuchseltern am nahen Waldrand sechs Junge haben. Ein Vergnügen, vom Wohnzimmer aus ihren Spielen zuzusehen. Der Nachbar, der nach unbestätigten Angaben innerhalb von zwei Stunden über zehn Hühner verloren hat, wird die Fuchsfamilie weniger schätzen.
In einigen Vogelkästen sind Jungvögel: Blaumeisen, Kleiber und vermutlich Rotschwänzchen. Leider kann ich die Tonlage der jugendlichen Gesänge genau wie Grillenzirpen nicht hören. Wo ich doch sonst das Gras wachsen höre!
GEHÖRT: einen Kuckuck. Beim Wandern auf die Cimetta Cardada.
GEFUNDEN: Quinoa aus Schweizer Anbau.
GELESEN: Frauenheilpflanzen von Dr. Heide Fischer. Herbig Verlag. Nützlich. Meine Kräutersammelsaison hat begonnen.
GESTAUNT: Aktuell sind in Alters- und Pflegeheimen viele Betten leer. Darüber staune ich nicht, hingegen über die Aussage, die Menschen hätten wohl Angst, sich im Heim mit C anzustecken und würden deshalb nicht eintreten. Vielleicht haben die Betroffenen und ihre Angehörigen auch verstanden, wieviel Freiheit sie bei einem Heimeintritt verlieren könnten. Im Laufe meiner Berufstätigkeit habe ich zuviele tolle Webauftritte und geschniegelte Prospekte gesehen. Die Realität auch. C hat den in vielen Fällen (es gibt löbliche Ausnahmen, ja!) unguten Zuständen die Krone aufgesetzt. Da ist einiges gut zu machen.
GEFREUT: Der Birnbaum scheint nicht nur die Kältezeit überstanden zu haben, sondern will nach langen Jahren des Wartens nun doch Früchte ausbilden. Der Weg ist noch weit, die Gefahrenliste gross. Wären alle Topazblüten befruchtet, wäre mein Apfelhunger für eine längere Zeit gestillt…siehe letzter Satz. Freuen darf ich mich.



Zurückgeschaut 1

Bevor ich mir Ärger einhandle – diese Form des Zurückblickens haben andere lange vor mir gemacht. Neue Teige in alten Formen oder so…

GEWESEN: Einmal mehr an der Aare, von Hinterkappelen (wo ein Haus steht, in dem ich mal probewohnen möchte) bis Murzelen spaziert. Einem Fluss entlang zu gehen ist eine neu entdeckte Qualität, er fällt mir dabei immer mal wieder ein. Die Weite, Anlehnungen an nordische Landschaften, eine Wasserhaut, die sich balsamisch auf Aufgerauhtes legt, Ruhe beschert und ja, stille Freude schenkt. So grüsse ich sie bei der Ankunft, von der Brücke aus und nehme einen letzten Blick, wenn ich wieder gehe.

Am Kopf GEKRATZT: Eben dere schöne, schöne grüene Aare naa sind sie unterwegs: all die ambitionierten Velosportler*innen. Ausgerüstet, als wären sie unterwegs auf einer Tour-de-France-Etappe, vielleicht auf die Alp d’Huez oder auch nur über den Ricken. Es ist flach, sehr flach der Aare entlang. Und fast alle fahren ein E-Bike mit Reifen, die für Sümpfe oder ein Moor nach Dreiwochenregen ausgelegt sind. Gesund und nachhaltig geben sie sich, vermute ich. Dass gerade die trendigen Sportklamotten fast immer in China hergestellt sind, ist kein Geheimnis. Einfach nicht gut.

GEFREUT: Der Birnbaum – doppelte Philippsbirne – vor gut zehn Jahren gepflanzt, eine alte, resistente Sorte für rauhe Höhenlagen (unsere) wollte zum erstenmal blühen.

GEÄRGERT: Die kapriziösen Wetterschlaufen inkl. Nachtfrost haben diesen Blüten vermutlich den Garaus gemacht. Trotz Vlies und Blachen.

GEFREUT 2: Über diese Lebensfreude! Danke Micha!

GEÄRGERT 2: Über die Forderungen, nun auch Kinder impfen zu wollen. Mit Impfstoffen, die in Windeseile entwickelt wurden, ohne Langzeitstudien und entgegen allen früheren Äusserungen. Überhaupt bekommt frau zunehmend den Eindruck, dass sich aus Impfmöglichkeiten sehr rasch Impfdruck bis Zwang entwickelt. Die kritischen Stimmen von Fachleuten wollen gar nicht gehört werden. Dr. med. Matthias Gauger und Dr. med. Denis Beyer von der Allgemeinpraxis im Muothatal haben sich einmal mehr die Mühe gemacht, Fakten und Fragen zusammenzutragen.
Als Kontrapunkt zur einseitig mechanistischen Betrachtung der Erkrankung bzw. der Massnahmenorder zeigt Prof. Dr. Christian Schubert im Gespräch mit Alexander Glogg auf, dass wichtige Aspekte im Umgang mit dem Virus von Behördenseite überhaupt nicht betrachtet werden. Was machen diese Dauerbefeuerung, das Zahlenrasseln, die Ängste, Isolationen, Zerrbilder usw. mit den Menschen? Die Suizidversuche junger Menschen sind nur die Spitze des Eisbergs. Die Sendung dauert ca. 90 Min.

GEFRAGT: Wie kommt mann/frau zur Ansicht, dass in diesem C-Stück alle „nur das Beste wollen“? Klar, das Beste v.a. für sich selbst. Der Verflechtungen sind viele, wer möchte, kann sich rasch ein Bild machen. Die Hölle ist nicht aussen vor! Wenn Menschen chemische Waffen, KZ für Menschen und Tiere oder Atombomben schaffen, können sie auch ganz andere Dinge machen.

Noch nicht GEKAUFT: Spargeln und Tomaten.

GEHÖRT: Podcasts von weltwach und 52 beste Bücher





Made in Europa, mindestens!

Das sei vorausgesagt: die Schreiberin hegt keine Vorbehalte gegen Menschen aus China, wertschätzt deren Kulturen und Erkenntnisse.
ABER: ich ärgere mich zunehmend darüber, wieviele Güter und Waren des täglichen Bedarfs in China hergestellt werden. Kleider, Dekoartikel, Küchenwaage, Lebensmittel, Fiebermesser, die ganze Elektronik – die Liste liesse sich endlos verlängern. Leider sind das gar nicht nur die „billigen“ Produkte sondern auch Erzeugnisse bekannter Marken, bei denen der Preis durchaus im oberen Segment liegt. Ja, sind wir denn wirklich so dumm geworden? Geben wir das Heft nun ganz aus der Hand? Kulturtechniken aussterben lassen, Handwerk vergessen? Wo bleibt der Ehrgeiz? Einfach abwarten, bis wir ganz am China-Tropf hängen?
Die Gierigen dieser Welt – sie sind fruchtbar – rahmen ab und wollen immer mehr. Das hat diese Krankheit so an sich. Die Güter sind das eine: die nach Macht strebenden Chinesen kaufen auch Weinberge in Frankreich, Land allüberall ausserhalb Chinas, Häfen wie Piräus, Geschäfte in Venedig und Rom usw. Die Absicht dahinter ist klar. Natürlich scheint unseren Politiker*innen (gemeint ist die Wirtschaft dahinter) die Aussicht, Exporte nach China zu ermöglichen, als sehr verlockend. Was für ein Markt!
Doch die Kehrseite der Medaille ist bitter. Neben dem Verlust für unsere eigene Kompetenz und Handlungsfähigkeit werden wir mit Produkten überschwemmt, die in den meisten Fällen unter unwürdigen, unmenschlichen und umweltschädigenden Bedingungen hergestellt werden. Dann kommen die langen Transportwege, deren Preis bis heute nicht ehrlich bezahlt wird. Hier steht viel Ramsch in den einschlägigen Geschäften, schnell und billig gekauft, rasch wieder entsorgt, weil die Dinge eben keinen Wert haben. Und dann die nächste Farbe, das neuste Design, made in China.
Hey Leute! Wenn es einen Sinn für ein vereinigtes Europa gibt, dann der, dass wir unsere Produktionen schützen, pflegen und diese Produkte kaufen!
Nachfragen! Wenn das Etikett nicht ausweist, wo etwas hergestellt wurde, fragt nach! Ich ernte noch immer erstaunte Blicke, wenn ich diese Frage stelle. „Aha, das hab ich noch gar nicht überlegt“, ist so eine Antwort auf die Frage nach der Herkunft.
Als zweifelnde Hofferin halte ich mich an „steter Tropfen höhlt den Stein“.
Es gibt noch Kleider und Hülsenfrüchte aus Europa, einiges andere auch. Okay, nicht immer beim nächstbesten Grossverteiler, aber mit etwas Biss findet man in Europa hergestellte Produkte. Zero-Kilometer und Regio geht nicht immer, so gut das wäre. Aber wir müssen umdenken. Jetzt!

Nur Zufall?

Wie Empowerment verhindert wird
oder die Grossen noch grösser werden

Beginnen wir mit dem Naheliegenden: Seit etwa einem Jahr sind wir alle (mehr oder weniger) den diversen Folgen der Pandemie ausgesetzt. Nach der ersten Schockstarre kam die Zeit des Ausharrens und Wartens, mit einem kurzen Lichtblick im Sommer. Gebannt verfolgten die Menschen die Entwicklung der Fallzahlen und den Fortschritt in der Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen.
Für sehr viele Menschen wurden die letzten Monate zunehmend belastender, bedrückend. Während sich einige Wenige ihre Inseln schaffen konnten, litten viele – jung und alt – an der Situation an sich, beruflicher Unsicherheit, finanziellen Einbussen, genereller Unsicherheit. Angst vor DER Krankheit, dem oder der Nächsten, Angst vor Nähe und Körperkontakt, Zukunftsangst.
Ungut macht sich eine zunehmende Polarisierung der Gesellschaft breit: jene, die beflissen „ja“ sagen zu allem, was bezüglich Verhalten vorgegeben wird und den anderen, die wagen, nachzudenken und nachzufragen. Eigentlich wäre doch genau DAS wünschenswert, eine gesunde Pendelbewegung zwischen den Polen, damit sich Entscheide „gut einmitten lassen“, menschengerecht und verträglich sind. Nun, so sieht es grad gar nicht aus, es fallen bitterböse Worte und in unserem Land, in dem freie Meinungsäusserung gewährleistet sein sollte, ist immer öfter zu hören, „dass man dieses oder jenes besser nicht sage“.
Die lange Einführung, um eben „doch etwas zu sagen“. Zwei Punkte sind mir besonders aufgefallen, Parallelen, die – so vermute ich – kaum Zufall sind. In beiden Fällen geht es im weitesten Sinne darum, naheliegende, kostengünstige Mittel zur Vorbeugung oder Unterstützung der eigenen Gesundheit aus dem Bewusstsein zu verdrängen.

Punkt 1
Ein Muotathaler Hausarzt stellt (natürlich neben anderen Fachpersonen) in jahrelanger, akribischer Beobachtung fest, dass bestimmte Erkrankungen einher gehen mit einem niedrigen Vitamin D-Status. Er vergleicht seine Erfahrungen mit vielen Studien, behandelt ältere Menschen in einem Heim mit Vitamin D und kann schwere Covid-Verläufe verhindern. (Das ist sehr rudimentär zusammengefasst, im Link ist alles ausführlich belegt!). Der Arzt fasst seine Beobachtungen zusammen, wendet sich schliesslich in einem offenen Brief an die Taskforce des Bundes, eine Puls-Sendung SRF folgt, in der die Bedeutung von Vitamin D in der Behandlung bzw. Vorbeugung herabgespielt wird (siehe erweiterte Zusammenfassung). Interessierte lesen die Texte, Links siehe unten. Im ganzen Geschehen, in dem eine nicht unbedeutende Anzahl verschiedenster Fachpersonen Teil der Taskforce waren, habe ich von so genannt offizieller Seite nie gehört, was Menschen unternehmen könnten, um Körper und Psyche zu stärken. Diese Fachperson macht das und gibt spannende Hinweise, wie das Immunsystem (der Mensch als körperlich-seelisch-geistig-soziales Wesen) gestärkt werden kann: wie er eigenmächtiger, verantwortungsvoll handeln kann. Und: absolut spannend (vonwegen „wenn dann alles wieder normal ist“): er macht sich wieder zusammen mit anderen Fachpersonen Gedanken, was denn hinter dem verbreiteten Vitamin D-Mangel ursächlich stehen könnte… dass es vielleicht nicht getan ist mit einer kleinen Kurskorrektur.
Hier also die erwähnten Links:
Die Website der Praxis
http://www.arztpraxis-muotathal.ch/de/home/
Zusatzinformationen nach der SRF-Puls-Sendung (plus weiterführende Gedanken zu den Hintergründen des verbreiteten Vitamin-D-Mangels
http://www.arztpraxis-muotathal.ch/fileadmin/user_upload/SRF_Puls_080221_Zusatzinformationen.pdf
Die Empfehlungen zum Immunsystem
http://www.arztpraxis-muotathal.ch/fileadmin/user_upload/Empfehlungen_Immunsystem260320.pdf

Punkt 2
Über Heini Staudinger und seine Waldviertler Schuhe hab ich auch schon geschrieben. In seinem neusten Brennstoff stellt Heini den Film „Fight The Fever“ oder „Das Fieber“ vor. Die österreichische Regisseurin Katharina Weingartner zeigt in ihrem Film auf, wie rücksichtslos die Konzernwelt versucht, ihre finanziellen Interessen durchzusetzen und die Verbreitung eines günstigen Heilmittels (Artemisia) gegen Malaria zu diffamieren.

Die beiden Punkte zeigen m.E., wie wenig die Wirkmacht des Einzelnen gestärkt werden soll; dass günstige, naheliegende Lösungen weder erwähnt und schon gar nicht gefördert werden, dass die Macht dort bleiben soll, wo sie ist und wo unnennbare Summen verdient werden… Kann es wirklich sein, dass die Menschen eine stumme, formbare und roboterhafte Masse werden sollen oder teilweise schon sind? Müssten wir nicht alles daran setzen, dass jedeR in ihrem/seinem Leben möglichst umfassende Kenntnisse und Eigenermächtigung leben kann? Weshalb geben wir immer mehr Kulturtechniken und Traditionen auf, um uns in beängstigender Weise dem billig produzierenden Ausland auszuliefern?
Wollen wir wirklich seelen- und handamputiert wie ferngesteuerte Wesen unser Dasein fristen? Konsumieren von der Wiege bis zur Bahre?

Wer stoppt diesen Irrsinn?