Zurückgeschaut 6

GEFREUT: Über das Licht an den schönen Herbsttagen; über jeden Tag an dem der Nebel nicht bis zu uns wabbert; über den gleichen Nebel, wenn er wattebauschig in Tälern und Mulden hängt und über das Lärchengold unter dem Blauhimmel.
GEWESEN: In der ewigen Stadt. Es sei dem Maler Klee gleich getan: das Licht ist anders, lässt Ocker, Terracotta, Sand, Maisgelb oder Siena strahlen. Der Ausblick über die Stadt vom Monte Gianciolo aus ist einmalig, zuvor der Spaziergang durch Trastevere, Besuch der Kirche Santa Maria di Trastevere. Hauptmotiv für die Besuche der diversen Marienkirchen ist die Bewunderung und Freude an den Mosaiken. Santa Prassede war vor gut 25 Jahren schon mal Ziel, der Besuch dort diente vorallem der Überprüfung meiner Erinnerung. Und tatsächlich kann frau mit einem Euro den Sternenhimmel und die Mosaikarbeiten illuminieren. Herrlich!
Das MAXXI zeigt bis im Februar 22 Amazônia” von Sebastião Salgado. Seine grossformatigen SW-Bilder aus dem Amazonas-Gebiet zeigen Flüsse, Regenwald und Wetterphänomene. Die Bilder hängen grösstenteils in den Räumen, dazu ist Musik von Jean-Michel Jarre zu hören. Die Bilder/der transportierte Bildinhalt zusammen mit dieser Musik in den dunklen Räumen trägt die Schauenden (mich zumindest) irgendwo zwischen diese Bäume, Pflanzen und das Fliesswasser. Integriert sind Infopavillons in denen Salgado und seine Frau verschiedene Gruppen von Ureinwohner*innen Amazoniens vorstellen. Vertreter*innen dieser Gruppen wenden sich in Kurzfilmen an die Welt um aufzuzeigen, was Bolsonaro durch sein rücksichtsloses Vorgehen anrichtet. An den Wänden sind Porträts und Szenen aus dem Alltagsleben zu sehen, nah und unmittelbar, berührend. Manchmal so nah, dass der Blick der Menschen direkt ins Herz geht…
GEFAHREN: Mit dem Hochgeschwindigkeitszug „Frecciarossa“. In gut drei Stunden von Mailand nach Rom, keine Flugscham, pünktlich, sauber, guter Service. Klingt grad wie ein Werbespruch. Wer öfters in der Schweiz im Zug unterwegs ist, hat mitbekommen, dass hier Pannen zu- und Sauberkeit abgenommen haben. Durch häufige Verspätungen mit gleichzeitig knapper Umsteigezeit werden Reisen immer mal wieder zu langfädigen Ausharrübungen. Wobei der öV in Italien auf den Paradestrecken top ist, die Anbindung kleinerer Orte jedoch weist gravierende Mängel auf. Da wird Rollmaterial aus den Fünfzigerjahren (schätze ich jetzt mal) eingesetzt, Menschen mit einer Beeinträchtigung schaffen es kaum, die hohen Tritte beim Einstieg zu erklimmen. Etwa gleich ärgerlich bzw. unmöglich kann es für Ältere oder gar Menschen im Rollstuhl werden, sollten sie auf die verwegene Idee kommen, die Metro in Rom benutzen zu wollen.
GEDACHT: Städte wie Rom machen so viele Menschheitsprobleme sichtbar. Entwurzelung, Migration, Armut und Elend, Billigstramschangebote aus China*, Abfallberge, mehr als zweifelhafte Nahrungsangebote, sprich Fastfood der untersten Kategorie usw..
*Ganz bewusst besuchte ich ein grosses Kaufhaus (es soll dem ehemaligen Politiker Berl. gehören…). Ich fand weder bei den Kleidern noch beim Geschirr irgendein Produkt, das nicht aus China kommt.
GEHÖRT: Von dekadenten Hotelbesuchern in einem Römer Luxushotel (der Bezug ergibt sich, weil eine Bekannte dort arbeitet). Beispiel gefällig? Anruf nachts um zwei beim Service: „Ich möchte jetzt ein gebratenes Gitzi, bezahle 5000 Euro“. Zum Glück bliebs beim Wunsch. Auch mit Geld kann Mann nicht immer alles bekommen.
GEGESSEN: Hauptsächlich Gemüse und nochmals Gemüse, Leguminosen und Früchte. Zum Beispiel im Aromaticus an der Via Urbana in Trastevere. Vegetarisch-vegan vom Feinsten. Wow, was für Düfte dem Bambuskörbchen entwichen… und dazu der Sencha im wunderschönen Krug und eine Menge Bücher. Glückskind du.
GELESEN: Der Salzpfad von Raynor Winn. Zum Inhalt kannst du hier nachlesen.
Weiter zur Masslosigkeit der Massentierhaltung ein Interview mit dem Soziologen Mike Davis der vor 15 Jahren sagte, dass wir wegen der Massentierhaltung ein globales Zeitalter der Pandemien beschreiten werden. Quelle: brennstoff Nr. 60 S. 14 und in der Republik hier. Schwerste Kost!


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