Fast 16 gemeinsame Jahre sind letzten Freitag zu Ende gegangen.
Ich kann nicht sagen, ich sei abschieds-gestählt, gar nicht. Dieser Verlust stellt sich in eine Reihe solcher, frau wird geschält, bis auf die Knochen.
Frida fehlt. Ihr Fell, ihr Geruch (nach Heu, bis zuletzt), ihr Betteln, Schnurren, Schnöden, ihre Eigenwilligkeit, ihre Schönheit, ihr Mut und ihre Zähigkeit.
Gewesen: Im Salento (Apulien), genauer in Otranto. Tage voller Südlicht, blauem Himmel und wunderbaren Meerfarben. Die Reise wurde kürzer als geplant, der Schlenker in die Basilicata und nach Rom folgt zu gegebener Zeit. Obiges Bild zeigt einen Ausschnitt des Hafens. Dort liegt das Wrack des Bootes Kater i Rades (meine Tastatur macht keine Pünktchen auf dem e, die beim Schiffsnamen eigentlich dazugehören würden). Das Boot sank nach einem „Zwischenfall“ mit einem ital. Küstenwachschiff, gegen 100 albanische Flüchtlinge verloren ihr Leben. Das Wrack wurde gehoben und durch den griechischen Künstler Costas Varotsos als Mahnmal gestaltet. Interessierte lesen hier weiter: Schiffsunglück von Otranto – Wikipedia Gewandert: auf eine neue Art, nämlich ab Otranto dem Meer entlang bis zum östlichsten Punkt Italiens Capo d’Otranto oder Punta Palascia. Vorbei an einer weitgehend unverbauten, kargen und immer wieder karstigen Küste. Der Weg nicht immer leicht ersichtlich, da die Küste nicht durchgehend begehbar ist (felsig), was die Wandernden dazu zwingt, durch eine Art Macchia hochzusteigen. Den Weg mehr erahnend als sehend hab ich die Landzunge erreicht, die nur etwa 80 km von der albanisch-griechischen Küste entfernt ist. An sehr klaren Tagen (oft im November, sagte man mir) können die albanischen Berge von Auge gesehen werden. An diesem Ort versammeln sich am 1. Januar des Jahres immer viele Menschen, um das neue Jahr zu begrüssen. Da die Küstenwache hier weiträumig eingezäunt hatte, konnte ich nicht zum Leuchtturm hinabsteigen. Was noch anzumerken ist: wir sind hier in der Schweiz
sehr verwöhnt in Bezug auf Wanderwege, Beschriftungen etc.. Bei dieser Meerwanderung die immerhin Teil des Camino del Salento ist, sind Wegweiser Mangelware. Und mit viel Wandervolk war da grad nicht zu rechnen 😉 ABER: für mich war diese Wanderung ganz besonders eindrücklich. Gegessen: viel grünes Gemüse wie Cima di rapa oder Broccoletti. Getrunken: Im schönen Café martinucci feinen Espresso (hier mit einer sfogliatelle)
Gebacken: Wieder mal DAS BROT von Chad Robertson mit Mehl aus Schüpfenried. Gefreut: Über die spontane Hilfsbereitschaft unterwegs – mehrere Male. Balsam in dieser irren Zeit! Gekauft: Neem gegen die Blattrollerei meines Topaz-Apfelbaumes Gedacht: dass ich schon lange nicht mehr „hier“ war und einfachste Tools mühsam suchen muss und dabei Gehofft: dass diese Übung vielleicht gegen das Nachlassen kognitiver Fähigkeiten wirken möge, Dasselbe dachte ich übrigens auch auf der Reise, als ich wegen zig Verspätungen meine Flexibilität und Handlungsstrategien prüfen konnte… Gesehen: Einen Kurzfilm über eine 85-jährige Frau die alleine ziemlich abgeschieden wohnt. Mich beeindruckten ihre körperlichen Fähigkeiten und ihre ausdrucksstarken Augen. Wow! Nie aufhören, zu arbeiten und „eine saubere Seele bewahren“ nannte sie als Rezept für ihr Wohlbefinden. Leider nur in ital. Sprache zu sehen, doch die wichtigen Dinge versteht man sowieso… https://youtu.be/78c1zYNsUFM?si=BQjuAKi-NiBlNAZZ Geträumt: wirres Durcheinander, wenn wunderts Gefühlt: Freude über die Vogelvielfalt an den Futterstellen. Gespürt: Angesichts von Mikro- und Makrolage immer wieder einen schwarzen Saum am Rande des Bewusstseins Geschüttelt: (mich) Oft, wenn ich der desaströsen Weltlage gewahr werde, der Unfähigkeit der Politikergarde, Wege zum Guten zu gehen, der Abwesenheit einer echten Sorge um die Mitwelt und bei vielem mehr. Geärgert: BIO-Erdbeeren mit Knospe! Jetzt! Gohts no? Wer kauft die? Überlegt da ein Einkäufer irgend etwas? Und im gleichen Aufwasch: ist euch mal aufgefallen, wie viele Produkte im Laden mit dem M (der jetzt schlank werden soll) aus China kommen? Ja hallo Europa?! Gelesen: Ich nenne die zuletzt gelesenen. Wer mehr dazu wissen will, findet im Netz alle Angaben. Julia Schoch: Das Vorkommnis F.v. Schirach: Nachmittage Joachim Meyerhoff: Man kann auch in die Höhe fallen Liebereso Guglielmi: Diario di un Giardiniere Anarchico (ital.) Aktuell: Noch einmal Paradies von Marc Bielefeld Folgend: Lichtungen von Iris Wolff Getroffen: Diese Fischerin am Meer in Otranto. Sie erzählte, dass sie und ihre drei Geschwister bereits als Kind fischen lernten und zwar vom Vater, der Fischhändler gewesen sei. Es gebe in Otranto eine kleine Gruppe fischender Frauen. Sie selbst isst keinen Fisch sondern füttert die Katzen am Meer und schenkt allfälligen Fang ihrer Freundin. Genug: für heute!
Die Zeiten bzw. die Ereignisse in dieser Zeit scheinen irr. Ein Chor rechter Herren orchestriert Richtung finsteres Mittelalter und reisst ein, was längst als gegeben und unumstösslich schien. Menschen-Tier- und Mitweltrechte werden mit Füssen getreten und Frauen sollen vielerorts entweder willfährige Puppen oder unsichtbare Arbeitsbienen sein.
Wir tun gut daran, wachsam zu bleiben und uns mit guten Kräften zu vernetzen.
Eine der guten Kräfte ist gewiss der Garten. So jämmerlich das Gartenjahr regen- und schneckenbedingt war und so manches Mal ein „das mach ich nicht mehr lange nicht“ zwischen die zusammengekniffenen Lippen kam, wundere ich mich über eine schier unverbrüchliche Hoffnung aufs nächste Jahr. Es wird besser, anders, gut – es wird wieder wachsen, ich werde zuversichtlich in Samenkatalogen blättern, schauen das Anzuchterde da ist, hoffen und mich trösten lassen von dieser Quelle. Man möge mich nicht missverstehen, das soll keinesfalls besagen, dass der Kopf in die Erde gesteckt wird, um nichts mehr zu hören und zu sehen. Im Gegenteil! Gartenleute verfügen über Resilienz und die brauchen wir!
Eine andere Quelle ist die Musik: ich höre heute Musik aus der Basilicata in Süditalien
Frau kommt nicht umhin, sich in dieser Lebensphase mit der Frage des „guten Alterns“ zu befassen (wobei ich beobachte, dass oftmals diejenigen, die gut altern, genau diese Frage gar nicht stellen. Sie leben ihren Alltag, erfüllen ihre Aufgaben und sehen eine Sinnhaftigkeit in ihrem Tun.) Im Valle Maira begegnete mir ein älteres Paar. Sie gut 80 Jahre alt, er 84. Sie fielen mir durch ihre Lebendigkeit und Ausstrahlung auf und wir kamen in ein letztlich lange dauerndes Gespräch. Beide stammen ursprünglich aus Deutschland und sind vor etwa 25 Jahren ins Tal eingewandert. Dieses hatten sie auf Wander- und Bergtouren kennen und lieben gelernt. Sie kauften eine Hausruine und bauten im Laufe von 15 Jahren eigenhändig ihr Wohnhaus. Beide waren – und sind! – sportlich und ich staunte nicht schlecht, als ich erfuhr, dass er mit 84 Jahren nach wie vor Klettertouren begleitet und Gleitschirm fliegt und sie immer noch bergwandert. Neben der körperlichen Konstitution war bei beiden eine Grundzufriedenheit spürbar – ohne Mühen zu negieren. Ich (neugierig wie immer) fragte die beiden nach ihrem „Rezept“ fürs gute Älterwerden. Zusammengefasst nannten sie: Aktiv bleiben, mit den Händen arbeiten (Richard Sennett lässt grüssen), Bewegung, soziale Kontakte und die geistige Ausrichtung. Und dass auch Glück und das Schicksal mithelfen (müssen). Ihre strahlenden Augen, die Offenheit, ihre Lebenszugewandtheit und auch ihr Mut (z.b. inbezug auf die Frage, wo sie sich im ganz hohen Lebensalter sehen und wie sie damit umgehen, dass die Gesundheitsversorgung in diesem einsamen, wenig erschlossenen Tal anders ist als in einer deutschen Gross-Stadt) werde ich nicht vergessen. Die beiden haben mich in meinen Ansichten (die gelten einfach für mich persönlich) bestätigt. Ich halte wenig von zuviel Annehmlichkeiten, so genannten aufs Alter ausgerichteten Wohnformen wenn sie nicht unbedingt notwendig sind, von Rückzug und Sudoku.
Heute fand ich im Postfach Infos der Uni Zürich, Healthy Longevity Centers. Daraus ein lesenswerter Text, der die Geschichte des Paares oben aus erforschter Sicht bestätigt.
Wer sich noch die Augen reibt bei der Berichterstattung zu Bundesrat Be und seinem PR-Berater Lau findet in diesem Video mit Prof. Michael Meyen, Medienforscher an der Universität München erhellende Hintergründe zur Meinungsmache, flügellahmem Journalismus und über Medienberaterstäbe, die staatsbezahlt Leitmedien bedienen und Politiker*innen weichspülen. Der Referent bezieht sich auf deutsche Verhältnisse, die aktuellen Ereignisse hierzulande vermitteln mehr als eine Ahnung, dass so viel nicht anders ist.
GESCHAFFT: Alle Pflanzen, die den Winter drinnen verbringen müssen, in ihre Quartiere gestellt. Der sorgende Mitgärtner hat ihnen im Gartenhäuschen oder Hauskeller Bedingungen geschaffen, unter denen sie dem Frühling entgegen leben. Wobei die beiden schon sehr alten Geranien in ihren Kistchen noch vor den Eingangsfenstern stehen, sie blühen jeweils etwas später als frisch gekaufte, dafür länger und v.a. sind es langjährige Begleiterinnen. So wie Olivenbaum, Fuchsien, alle verschiedenen Geranien, Mittagsblumen, Agaven, Aloe usw.. Ein etwas wehmütiger Moment, weiss frau doch, wie lange es dauert, bis sie wieder in die Freiheit entlassen werden können.
VorGESORGT:
Chicoreéwurzeln zum Treiben in den Keller gestellt
GELESEN:„Ungezähmt“ von Glennon Doyle. Das Buch reiht sich ein in weitere Publikationen, in denen Druck/Erwartungen an und Selbstverständnis vieler Frauen thematisiert werden. Wenn bei einer Bundesrätinnen-Wahl die Frage auftaucht – wohlgemerkt bei weiblichen Kandidatinnen – wie vereinbar Familie (mit Kindern) und Beruf sind und frau weiss, dass genaue DIESE Frage einem Mann wohl nie gestellt worden ist, macht auch diese Frage viele Ungereimtheiten sichtbar. Wirklich schwierig wird der Spagat für allfällige Bundesrätinnen ja nicht wirklich, denn genau sie verfügen über eine gut gefüllte Geldbörse. Eine, die zusammen mit einem zugeneigten Umfeld dafür sorgt, dass der „Karren auch daheim läuft“. Nein, ich rede von Frauen, die mit weit weniger Geld weit grössere Herausforderungen meistern (müssen) und denen neben all den Alltagsherausforderungen auch eine prekäre Altersvorsorge „blüht“. Nun, der Autorin geht es auch darum, den Frauen einfach Mut zu machen, zu eigenen Bedürfnissen zu stehen, diese nicht über Jahre (und oft mit fatalen Folgen) zu unterdrücken, um irgendwelchen Rollenbildern zu genügen. Vorstellungen und Erwartungen, welche Frauen sehr lange angenommen und mitgetragen haben. Zum Preis der Erschöpfung – zu diesem Thema schreibt die Soziologin Franziska Schutzbach in ihrem Buch „Die Erschöpfung der Frauen“ . Lohnenswerte Lektüren in einer Zeit, in der so vieles – eigentlich alles – im Umbruch ist. Sollte es überhaupt eine Zukunft geben, führt kein Weg an Gerechtigkeit vorbei.
GESEHEN: Die gegenwärtige Lage führt u.a. dazu, dass jene, die bereits über wenig Geld verfügen, in noch grössere Bedrängnisse kommen. (Die Profiteure dieser Weltkrise lasse ich mal beiseite, es gibt sie und nicht zu knapp…). Wenn Politiker (es sind halt meistens ältere, graue Männer) mit verkniffenem Mund vom enger zu schnallenden Gürtel sprechen und dann samt Sicherheitsgarde in einen bereitsstehenden Panzerwagen eilen, ja dann bleibt Frau und Herr X. vielleicht noch die Tafel oder Carisatt oder die Gassenküche. https://www.youtube.com/watch?v=9u_jrQGceR8(aus Deutschland) oder https://www.luzern60plus.ch/aktuell/artikel/armut-im-alter-ist-weiblich aus der Schweiz, wobei dann auch ein weiterer Bezug geschaffen wäre zum obigen Thema… Es erfüllt mich mit Dankbarkeit, in Ruhe und mit vielen Geschenken der Natur ein gesundes, friedliches Leben führen zu können. Einfach. Abgeschieden. Natürlich. Mit viel Freiheit in der Umgebungsgestaltung und einer gewissen Unabhängigkeit.
Zäh und eigen-willig
GEHÖRT: Viel Musik, immer wieder. Von der Künstlerin Alexandra de Steiguer https://youtu.be/Zv_Jz7pAfOk Sie lebt seit 20 Jahren jeweils den Winter über als Wächterin auf der Insel Star Island vor New Hampshire und fotografiert, malt und komponiert. Mutig und eigen-willig. Und von Ajeet https://youtu.be/1Agpwo25FcU. Zum Schluss ein Stück mit den Qualitäten einer L…dor-Kugel: Lady Gaga und Bradley Cooper https://youtu.be/eWupm_cePX8 Mikrobalsam in rauer Zeit.