Alltags(g)rau

Vom Januar und der Schieflage

Die Schreiberin mag Frühling, Sommer und Herbst. Den Winter weniger, ausser einzelne Tage mit Pulverschnee und Sonne. Wie auf den winzig kleinen Neujahrskärtchen von früher (wer die kennt, muss mindestens 50plus sein) oder in der Werbung für Wintersportorte. Karten oder Kärtchen schreiben nur mehr wenige (wobei die reduzierte Anzahl den Wert und die Freude darüber stark erhöhen!), heute bieten die elektronischen Medien effizientere Möglichheiten. Frei von Schweiss, Eigenwilligkeit und sinnlicher Haptik. Mit dem Wintersport ist das in diesem Januar so eine Sache. Während endlich mal Schnee fällt, kommt der Oberspielverderber C ins Spiel und macht einen Strich durch die Abfahrt.
Bitter. Nur sehr eingeschränkt skifahren können oder wehklagen, weil sich Usanzen (eben beispielsweise persönliche Post) auf leisen Sohlen davonmachen, sind Kleinigkeiten. Denn was im Grossen geschieht, macht die Alletage wirklich rau und grau. War da mal ein Traum von einer Welt ohne Kriege, von gerechteren Bedingungen für ALLE; einer Mitwelt, in der Tiere, Pflanzen und Menschen leben können?
Immer mehr verdichtet sich der Eindruck, dass sich das Raumschiff Welt auf eine irre Fahrt ohne Rückkehr begeben hat. Vieles von dem, was die Schreiberin und viele andere (be-)drückt, liegt nicht in der individuellen Psyche sondern in einer Welt in heftiger Schieflage. Das grosse, kranke, ungerechte, gierige Weltgeschehen kriecht subtil in die kleinsten Verästelungen unseres Daseins. Die Regentschaften meist älterer Männer, ihr Umgang mit Kritik, die Eindämmung von journalistischer Vielfalt, die fast gänzliche Negierung des Klimawandels, die Verirrungen einer neuen (alten) Rechten u.v.m. zusammen mit all den aktuellen Einschränkungen im zwischenmenschlichen (Nicht-)Zusammensein sind zuviel. Wenn gängige Benebelungen (TV, Alkohol etc.) aussen vor bleiben, wirds oft bedrohlich. Oder die Sicht ungeschönt.

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